Der Wagen rollte fort.
Durch das Dorf jagte Heiner die Pferde, auf dem stillen Waldwege ließ er sie im Schritt gehen.
Ei, wie schön war die Burgerl geworden! Als Kind hat sie etwas auf ihn gehalten, weil er sein’ Sach’ versteht und sonst nicht unbelehrt ist, aber jetzt? Unfreundlich tät’ sie just nit sein. Nun wär’ der kleine Bauer da, der kriegt einmal den Hof und sie ist nimmer ’s überreichen Bauers einzig’ Kind und Erbin und er auch nit von schlechten Eltern, der zweite Sohn, und ein Bauerngütel ließ sich immer noch beschaffen, wo man darauf leben könnt’ wie die zwei Schwiegerleut’, das sind doch die rarsten! Und warten, das will er, er ist ja noch jung, soll’s sieben Jahr’ sein, wie im Alten Testament so ein Warten beschrieben ist, pah, auf die siebenmal sieben Jahr — —
Er begann zu rechnen, aber das Resultat machte ihn etwas stutzig, denn auf die Lebensdauer und patriarchalische Manneskraft, wovon allerdings auch im Alten Testamente geschrieben stand, wagte er doch nicht zu hoffen.
Burgerl war nach dem Friedhofe gelaufen, sie stieß das Gittertor auf und eilte über den Kies einem Grabe zu, auf dessen eisernem Kreuze der Name „Joseph Reindorfer“ stand; auf dem Hügel darunter wuchsen Blumen, so dicht, daß sie sich kaum im Winde schüttelten.
Sie kniete nieder. „Schau, da wuchert doch Unkraut.“ Während sie dieses ausraufte und von den Blumenstengeln welke Blätter entfernte, plauderte sie:
„Ich komm’ nur, sagen, daß wir einen kleinen Bauer auf’n Hof ’kriegt haben! Ein schön’s Büberl, sagen die Leut’, ich versteh’ mich nit so drauf, da muß er vorerst größer werden, bis er mir gefallen kann, aber lieb hab’ ich ihn schon, weil er so sinnlich schaut, als möcht’ er sich einem anbetteln, da er sich selber doch auch gar nit zu helfen weiß. Und Joseph wird er heißen wie du und brav soll er werd’n. Die Leni-Mutter ist wohl ein bissel schwach, aber brauchst nit zu sorgen, es geht ihr gut; das mußt’ ich dir sagen kommen, hab’ ich mir gedacht, sonst wüßt’ ich nix Neues.“ Sie drückte beide Hände mit ausgespreiteten Fingern gegen die Erde. „Daß ich gesund bin, das weißt du ja? So b’hüt dich Gott, Ehnl.“
Sie erhob sich. An einem Grabe, nahe der Kirchhofpforte, blieb sie stehen und murmelte ein Vaterunser, dann eilte sie heim.
Als sie wieder in die Wochenstube trat, sagte Kaspar: „Wo warst denn? Heut mußt nit h’rumlaufen, mußt zur Hand bleiben.“
„Ich bin nur schnell nach’m Friedhof,“ sagte sie, „’m Ehnl es berichten.“