Der Kleine stand mit gespreizten Beinen, die Hände in den Hosentaschen, vor dem Mädchen und fragte: „Wer bist denn du?“
„Ich bin die Leni,“ sagte das Kind und sah verwundert auf den Knaben, der nicht einmal wußte, wer sie war, sie hielt ihn gewiß für einen recht dummen Buben. „Wer bist denn du?“
„Ich bin des Müllers Florian, vom Wasser-Graben, weißt du?“ sagte er. Er bewies männliche Überlegenheit genug, sich über die Unkenntnis des Mädchens gar nicht zu verwundern.
Die Kleine nickte, sie wußte zwar nicht, was eine Mühle sei, noch wohinzu der Wasser-Graben läge, aber sie war mit der Auskunft doch zufrieden.
„Du,“ sagte der Knabe, „siehst du Vögel gerne?“
„Ei freilich,“ sagte das Mädchen, „hast du einen bei dir?“
Der kleine Florian lachte, zog die Hände aus den Taschen und wies sie leer vor. „Dort oben da sind dir so viele. Komm mit!“ Er nahm sie an der Hand.
Die beiden gingen ein Stück Weges, da stand ein großer Busch und darunter war eine Wasserlache noch vom letzten Regen, jetzt halb eingetrocknet, in der feuchten Erde mochten sich Gewürm und Larven angesiedelt haben, die Vögel schossen ab und zu und pickten in den Schlamm. Es war ein lustiges Treiben.
Eine Goldammer gefiel den Kindern gar zu gut, und als etliche Rotschwänzchen im Kote herumtänzelten, als wollten sie ihre Beine nicht gar zu sehr beschmutzen, da brachen die Kleinen in hellen Jubel aus und hüpften mit steifen Beinen herum, wie sie es von den Tierchen gesehen hatten.
Die Folge war, daß diese sich beleidigt zurückzogen und selbst dann wegblieben, als Leni und Florian ganz ernst versicherten: sie wollten es nicht wieder tun — und sie möchten doch nicht so dumm sein und sich nicht wieder sehen lassen.