Ein Monat mochte verflossen sein, seit Leopold, zur Verwunderung der Ortseinwohner, öfter in dem verfallenen Häuschen einsprach, als eines Abends Josepha, von der Arbeit heimkehrend, die Alte sehr mißlaunig fand.

„Warst du heute schon mit dem jungen Reindorfer zusammen?“ fragte sie keifend.

Die Dirne warf den Grasbündel und die Sichel beiseite und nahm den breitkrempigen Strohhut ab. „Nein,“ sagte sie, „aber er wird wohl jetzt nach Feierabend kommen.“

„So rede einmal mit ihm, dummes Ding, daß es zu etwas führt. Wie lange denkst du denn, daß ich noch zuwarten kann? Ich möchte doch meine paar Tage auch noch auf dem Reindorferhofe in Ruh’ und Wohlfahrt verleben können. Hab’ ich dich darum auf den Burschen gehetzt und dir gesagt, mach dich an ihn, der sieht nicht nahe zu, wenn man ihm nur die Ware ins Haus bringt, — damit du dich wieder so dumm anstellst, wie jedes frühere Mal? Weiß Gott, dumme Streiche hast du mir genug gemacht, und hab’ ich dir genug nachgesehen, es wäre nun wohl auch Zeit, daß du klüger sein und auf dich und deine alte Mutter denken möchtest! — Daß du mir heuer am Allerseelentag nicht wieder das kleine Grab aufputzest, das rat’ ich dir! Ich sag’ dir, diesmal sehe ich nicht so zu, aus dem Hause jag’ ich dich, wenn da nichts wird! Willst du zuwarten, du langweiliger Tropf, bis dich die Leute ihm abreden? Solang das Eisen heiß ist, muß man’s schmieden, ist nur einmal alles in Richtigkeit, nach der Hochzeit muß sich einer wohl darein schicken; man kann auch alles anders deuten und drehen, und er tut sich nur selber einen Gefallen, wenn er daran glaubt. Aber so wirst du die Zeit verpassen, der Herbst wird wieder da sein, da rückt er wieder auf vier Wochen ein und ihr seid auf so lange voneinander; vom Ort kommen auch Bursche mit, aber du, natürlich, nimmst dich weder vor denen in acht, noch vor jenen, die verbleiben! Und da ist wieder nichts darauf zu geben, und ich geb’ auch nichts darauf!“

„Du meinst gerade, das ginge nur so, und wenn man Haferl sagt, ist ’s Häfen fertig“[7] sagte trotzig die Dirne. „Meinst du, es kostet einem keine Mühe, wenn man selber keine Gedanken darauf hat, und man soll zutätig sein gegen einen, der ist wie ein Stück Holz?“

„Nun ja, du wilde Hummel, nur bring’ ihn einmal darauf, was zu geschehen hat, liegt ihm das nur erst im Kopf, dann gibt es ihm selber keine Ruhe und er setzt sich schon daran.“

„Guten Abend, Melzerin,“ sagte Leopold eintretend, „grüß dich Gott, Sepherl.“

„Guten Abend.“

„Die Mutter erlaubt’s schon,“ sagte der Bursche. „Magst mit mir über die Felder gehen?“

„Ich weiß nicht, ob es auch recht ist,“ sagte die Dirne, „es schauen so schon alle Leute, wie oft du kommst, und es bringt einer ledigen Dirne keine gute Nachrede, wenn sie mit einem Burschen längere Zeit geht. Es hat keinen Schick und keinen Zweck.“