Es war Frühjahr, die Bäume im Garten wollten betreut sein, abgeästet und vor dem sich allmählich einfindenden Geziefer bewahrt werden, und dem alten Reindorfer war ihre Pflege gar angelegen.
„So ein Baum,“ sagte er, „ist grundgütiger als der beste Mensch, er kann nur jedem Gutes erweisen und niemandem übelwollen, auch der Baum, der nichts hat als seinen kühlen Schatten, will den anderen Geschöpfen wohl, und wenn sie erst in Menge zusammenstehen, als grüner Wald, da verrichten sie schon was Rechtes. Hab’ mein Lebtag gefunden, wo keine Wälder stehen, da ist auch dürrer Boden und mühselige Menschen darauf. Aber das Raupengeschmeiß, das ist nur zum Übelwollen auf der Welt, das frißt und frißt, und gingen die Bäume darüber zugrunde, daß sie und ihre Brut allzusammen verhungern müßten, das irrt sie nicht; der sie ausrottet, erhält sie zugleich, wäre es nicht um die Bäume, man hätte sie längst sich aus der Welt fressen lassen können, die Himmelsackermenter ...“ Er streifte ihrer etliche mit dem Rücken des Gartenmessers von der Rinde und zertrat sie, den anderen zum erschrecklichen Exempel.
„Aber wenn sie als Falter herumfliegen,“ sagte Magdalena, die an einem anderen Baume geschäftig war, „da sind sie so viel sauber.“
„Wenn sie als Sommervögel auf die Welt kämen,“ meinte der Bauer, „meinetwegen möchte es ihnen vergönnt sein, daß sie ihren Rüssel in jede Blume stecken; aber so ist ihre ganze Herrlichkeit auf fremde Kosten angefressen und ihre Buhlerei läuft auf künftigen Raupenfraß hinaus.“
„Ob sich die Falter gut leiden mögen, die in der Luft einander nachjagen?“
„Nun, wohl werden sie das, weil es ein Muß ist. Dafür ist gesorgt, was einmal in der Welt ist, stirbt nicht so leicht aus. Auch der Mensch, der doch um all seine Mühseligkeit weiß, kann sich dem nicht entbrechen, und ehe er es selber denkt, geht er auf die Freite.“
„Vater, mußt nicht böse sein,“ bat Magdalena und spielte mit ihrem Schürzenbande, „aber ich möcht’ dich etwas fragen.“
„Wird was Rechtes sein, womit du dich nicht heraustrauest.“
Da sah ihm das Mädchen lächelnd in das Gesicht und sagte: „Ich möchte gern wissen, wie du und die Mutter euch habt kennen gelernt.“
„So, so? Das fragst du zweimal umsonst, einmal, weil du meinst, das sei wohl schon so lange her, daß ich ohne Schämigkeit davon zu reden wüßte, aber das wüßte ich nicht anzugreifen. Und zum andernmal ist es nicht schicklich, daß eines von den Eltern derlei zu dem Kinde redet.“