Da wurden dem Bauer die Augen groß, er stand hastig auf, an dem Fenster tippte er paarmal an die Scheibe, um die Sperlinge außen zu verscheuchen, dann wandte er sich zum Gehen. Mit seiner schwieligen Rechten berührte er leicht den Scheitel des Mädchens. „Nun, sei nur brav, bleib hübsch brav,“ sagte er leise.

6.

Nach jenem Sonntage war der alte Reindorfer umgänglicher gegen das Mädchen geworden, und Magdalena suchte um ihn zu sein, so oft es tunlich war. Der Vater wußte so viel von der Welt, die noch in unklarer Weite vor ihr lag, und was er sagte, das war ein so rechtschaffenes Meinen und Denken, daß sie ihm gar gerne zuhörte.

Er erzählte von Land und Leuten, die er kennen gelernt, von der Welt und den Menschen, wie er sie gefunden habe und was er davon halte, von seinen eigenen Leiden, Freuden und Erfahrungen und hatte dabei immer einen Fingerzeig, einen Hinweis für das aufhorchende Mädchen.

Einmal begann er das Gespräch mit einer Erinnerung an seinen Vater.

„War wohl auch ein kreuzbraver Mann, mein Großvater,“ meinte die Dirne.

„Dein Großvater?“ sagte der Bauer, „von dem weiß ich wenig.“

„Bist du denn so früh verwaist gewesen, Vater?“ fragte Magdalena.

Da hustete der Bauer verlegen, brachte seine Geschichte hastig und stotternd zu Ende und war einige Tage recht wortkarg gegen das Mädchen; erst als er merkte, dasselbe habe gar keinen Arg, da beruhigte er sich wieder, es war ihm, als hätte er durch seine Unvorsichtigkeit das Kind in seinem recht heilsamen, frommen Glauben erschüttern können. Von seinen Eltern geschah aber nie mehr wieder eine Erwähnung.

Für Magdalena konnten die längst verstorbenen Eltern des alten Reindorfer höchstens ein Gegenstand der Neugier, aber nicht der regen Teilnahme sein, so fragte sie ihnen auch nicht weiter nach; eine Frage aber hätte sie schon oft gerne an den Vater gerichtet, doch dazu mußte sie sich erst ein Herz nehmen. — —