„Hast mir nicht zu danken, ich könnte nicht sagen, du hättest fehlgegriffen, und soweit wäre alles in Ordnung. Aber ich muß dir aufrichtig sagen, ich glaube nicht, daß sie dir die Dirn’ geben werden, wir waren nie recht Freund zusammen, ich und der Reindorfer, darfst schon gefaßt sein auf einen abschlägigen Bescheid.“
„Ich wüßte wohl nicht, wie ich den aufnehmen möcht’. Bei vernünftigem, ehrlichem Vornehmen ist doch keiner auf leidigen Widersinn gefaßt.“
„Ah, sei gescheit und mache dir nichts daraus. Wer weiß, wozu es gut ist. Bindet sich einer so früh, wie du, gar leicht reuen ihn später seine jungen Jahre. Du wirst dir schon wieder eine andere ausfinden, es gibt ja noch genug Mädeln auf der Welt, lerne sie erst aus und dann wähl eine; wer sich darauf versteht, trifft es besser, und es ist doch eine Wahl, die einem nicht wehe tut. Meinst nicht?“
„Ich meine nicht. Wenn du es so gehalten hast, Vater, so ist’s ja doch auch nur verlorne Zeit gewesen. Es wird kein so großer Unterschied sein zwischen den Rechtschaffenen, und nach den andern verlangt mich nicht.“
Der Bursche hatte bisher bei Rede und Antwort vor sich niedergesehen, jetzt blickte er auf und bemerkte, daß sein Vater sich schweigend von ihm entfernt hatte, er holte ihn ein, hielt ihn am Arme zurück und sagte: „Vater, du hast vorhin geredet, als wäre ausgemacht, daß ich die Leni nicht haben soll. Ist das nur so dein Dafürhalten, oder weißt du etwas?“
„Was kann ich wissen? Nur weil du gar so sicher tust, als könnten sie die Verschwiegerung mit uns gar nicht abweisen, so hab’ ich vorbauen wollen, daß es dich nicht wie vor den Kopf trifft, wenn es doch geschieht.“
„Was hilft es auch, daß man das früher beredet? Ich kann mir ja doch nicht vornehmen, wie ich mich dann gebärden will, wenn mir all mein Glück in den Brunnen fällt! Ich denk’, dem lass’ ich Zeit, bis die Mutter heimkommt; bringt sie mir solche Botschaft mit, dann gibt sich wohl von selber, wie ich mich dabei verhalten werde.“
Der Müller setzte kopfschüttelnd seinen Weg nach dem Garten fort.
Er ging zwischen den Beeten dahin. Es war schwül geworden. Der Kies knirschte nicht, er stäubte leise unter den Tritten. Kein Blatt rührte sich, höchstens eines, hinter dem sich ein Käfer oder ein Wurm verbarg. Die Blumen hielten den Duft an sich. Ringsum tat es so stille und verschwiegen; dem Müller aber war, als merke er, das geschähe nicht aus Unschuld, die nichts zu sagen weiß, sondern aus lüsterner Erfahrenheit, die gerne für sich behält, was ihr bewußt, und es schien ihm, als läge ein unlauteres Geheimnis in allem und hinter dieser Welt.
„Er wird es verwinden,“ sagte er. „Der Bub’ wird doch etwas von meiner Art an sich haben? Er wird doch nicht seiner Mutter nachgeraten, die, wenn sie einmal zu einem hielt, sich mit Füßen hat treten lassen! Ich habe nicht schön gehandelt an ihr, und doch, wenn ich freud- und freundlos war, ist sie immer wieder gekommen, die getreue Seel’! Aber dem Jungen mag ich ihr Herz nicht wünschen, es wär’ gar nicht abzusehen, was daraus werden soll!“