Es gibt nur eine Art der Weissagung, und diese erfüllt die Menschen mit Scheu vor den Sehern und mit Vorliebe für die Gaukler, denn es ist nicht die Kunst, aus dem Fluge der Vögel, den Eingeweiden der Opfertiere, den Kartenblättern oder dem Kaffeesatze — es ist die Kunst, aus den eigenen und den fremden Sünden das Kommende vorherzusagen, welche sich bis heutigen Tag an Staaten, Völkern und Fürsten erprobt und deren furchtbare Folgerichtigkeit in Stunden stiller Einkehr bei sich selbst auch den einzelnen durchschauert.

Ein unangenehmes Gefühl beschlich den Müller, als er die Seinen sich ahnungslos umsonst mühen sah, während ihm klar lag, daß alle diese mit freudiger Hast betriebenen Vorbereitungen, alle daran geknüpften Hoffnungen und Erwartungen vergebens seien.

Er senkte den Kopf, obgleich niemand da war, der mit ihm sprach, vielleicht horchte er auf sich selber.

Da legte sich eine Hand auf seine Schulter, er blickte auf, die Müllerin stand mit hellfreudigen Augen vor ihm und sagte: „Behüt dich Gott, Vater, ich geh’ jetzt und ich werd’ schon die rechte Antwort mit heimbringen, da sorg’ ich nicht!“

„Behüt dich Gott.“

Florian wollte ihr beim Einsteigen in den Wagen behilflich sein, aber in eiliger Zutulichkeit vereitelte er nur alle ihre Bemühungen, auf den Sitz zu gelangen.

„Du Ungeschickt,“ rief sie fröhlich lachend und stieß ihn weg. „Wie du mit unsereinem umgehst! Nun, wirst es schon lernen.“

Der Knecht trieb die Pferde an und der Wagen rollte davon. Lange sah Florian demselben nach, dann schloß er das Einfahrgatter und lehnte sich an dasselbe.

Der Müller trat herzu. „Bist doch ein Hallodri,“ sagte er, „siehst aus, als könntest du nicht bis fünfe zählen, und weißt dich doch aus bis hundert. Eine Wette hätte ich gehalten, daß dir noch kein Mädel im Sinne läge, und schön hätte ich dabei verspielt. Nun, ich hab’ dir deinen Willen getan und die Mutter zu den Reindorferischen hinüberfahren lassen.“

„Ich sag’ dir tausend Dank dafür, Vater.“