„Ich meine, wir seien just auch nicht übervorteilt.“
„Wir haben zwei Pferde eingeschafft, die sind ihr Geld wert. Und Leinenzeug — ich sag’ dir, Reindorferin, ich möcht’ es nicht selbst gesponnen haben, für die paar Gulden! Aber was schwätz’ ich? Kommt das zustande, wegen was ich da bin, so schickt sich ohnehin die Gelegenheit, daß man darüber redet und später werden wir noch oft und gern uns all das einzeln aufzählen und weisen, was wir erwirtschaften. Ich will vorderhand nur gesagt haben, außer dem Vorsprung, den der liebe Herrgott selber dem einen Teil durch die Mühl’ verliehen hat, stünden wir, was das Hereinbringen und Zusammenhalten anlangt, völlig gleich und taugten zusammen.“
„Hast recht, Müllerin, in der Wirtschaft steh’ ich auch keiner nach. Aber was meinst du mit dem Zusammentaugen?“
„Ich meine, jede Dummheit muß einmal ihr Ende finden, und schon gar, wo sich die Gelegenheit schickt, daß mit ihrem Aufhören ein gut’ Werk seinen Anfang nimmt! Es ist doch nur eine Dummheit, daß sich unsere Männer nicht vertragen mögen.“
Die Bäuerin blickte ängstlich auf, dann senkte sie wieder die Augen und sagte leise: „Ich weiß nicht.“
„Aber ich weiß es,“ sprach um so lauter die Müllerin, „und so wahr ich hier sitze, ich will meinem Alten all die Feindseligkeiten schon austreiben, und das, liebe Reindorferin, mußt du dir auch bei deinem Bauer angelegen sein lassen, denn so, wie es bisher gewesen, darf es nicht verbleiben! Daß ich dir auch sage, warum: für gewöhnlich sollen die Alten den Jungen ein gut’ Beispiel geben, aber manchmal kann doch vorkommen, daß die Jungen den Alten damit vorangehen, und wenn sich unsere Alten nicht leiden mögen, so haben sich dafür unsere Jungen gar lieb.“
„Wer?“ schrie die Bäuerin auf.
„Nun, nun, wie magst du nur so ungebärdig fragen, ich red’ doch deutlich, wen kann ich anders meinen als euere Magdalen’ und unsern Florian? Die beiden wären eins und derowegen bin ich da, daß ich ihnen das Wort rede und wir uns über eine Zeit einigen, danach man sie fein christlich zusammengibt.“
Die Reindorferin war kreidebleich geworden. „Jesus, Maria!“ sagte sie und preßte beide Hände über dem Scheitel zusammen.
„Du meine Güte,“ rief die Müllerin, sich rasch vom Stuhle erhebend, „Reindorferin, was hast du?“ Und zu Magdalena, welche unter die Tür getreten war, sagte sie: „Hol doch deinen Vater!“