Windt, der Arzt und Philipp stürzten in das Zimmer – Hülfe ward versucht, der Arzt fühlte den Puls, dieser stockte schon. Durch einen Wink bedeutete er der Umgebung, daß hier seine Hülfe zu spät sei. Schon umflorte der Tod die brechenden Augen – Leonardus tastete nach der Hand des Freundes und lallte mit gedämpfter Stimme: Ludwig – dunkel – Gute Nacht!
Es trat Blut auf die Lippen des Sterbenden.
O Angés!
Dies war sein letzter Hauch.
Nie zuvor trat ein größerer Schmerz in Ludwig’s Leben. Er stand stumm, vernichtet, fand nicht einmal Thränen. Der Arzt ging hinweg, Philipp weinte.
Windt’s klarer Verstand zeigte sich auch bei diesem Falle thatkräftig, entschieden handelnd.
Auf dem Schriftenpaket stand unter der Aufschrift: an Graf Ludwig, die Weisung: »Sogleich nach meinem Tode zu eröffnen!« Ludwig wollte dies nicht thun, sein Gefühl verbot es ihm, ein edles und rein menschliches Gefühl.
Ich ehre Ihren Schmerz, Herr Graf, sprach Windt, ich ehre ihn nicht nur, ich fühle ihn mit, ich theile ihn, aber der Wille eines Todten ist Gesetz. Ich habe alle Ursache, zu glauben, daß der verklärte Freund Wichtiges für den Fall seines Ablebens verfügte, erlauben Sie mir zu öffnen.
Gleich oben lag ein Blatt des Inhalts: »Da ich für meine Mutter fortleben will, so muß eine Täuschung Statt finden, die Niemand schadet. Ein Paß liegt bei, der auf einen andern Namen lautet, dessen ich mich auf Reisen bisweilen bediente. Es kann nicht in Zeitungen oder in ein Todtenregister geschrieben werden, daß Leonardus Cornelius van der Valck aus Amsterdam hier in Stadthagen gestorben und begraben worden sei, denn ein solches Blatt, eine solche Kunde würde leicht nach Amsterdam gelangen. Ich wünsche in der Stille, in früher Morgenstunde begraben zu werden, ohne alles Gepränge, wünsche weder Kreuz noch Stein mit einer Grabschrift, und mache meinem Herrn Erben die Befolgung dieses meines letzten Wunsches zur ersten Pflicht.«
Sie sehen wie sehr ich Recht hatte, Herr Graf, sprach Windt, und nun kommen Sie auf ein anderes Zimmer, fassen Sie sich, und beweinen Sie den Freund; wahrlich es schlug in ihm ein edles, reines Herz, mir aber überlassen Sie mit Philipp die Beschickung alles Nöthigen.