Nun öffne lieber Ludwig, und schaue das Andenken an, das ich und Ottoline, die mich in ihrer Sterbestunde bat, dir dieses Kleinod zu gönnen, dir bestimmt haben, ein Andenken an sie und mich.

Ludwig öffnete die Hülle, und die Juwelenpracht des einzigen Kunstwerks strahlte ihm entgegen. Der Falk von Kniphausen! rief er, starr vor Staunen.

Von nun an dein Eigenthum, flüsterte die Kranke.

Das kann nicht sein, rief Ludwig: dies Kunstwerk ist eine Grafschaft werth, ach – und für mich – noch unendlich mehr – o jener Tag – ach, Ottoline!

Und wenn es zehn Grafschaften werth wäre, sprach die Gräfin: so wird es dir auch werth bleiben – du wirst es nicht verschachern und verschleudern, wie meine herrliche Münzsammlung dereinst verschleift und verschleudert werden wird, über die ich bethörter Weise schon früher verfügte. Dir – dir hätte ich sie geben und hinterlassen sollen!

Sie haben mich ja schon so überreich begabt, beste Großmutter! fiel Ludwig ein.

Mache keine vielen Worte und nimm den Falken an dich – die Andern sollen ihn nicht haben – sie sollen nicht wieder daraus trinken – du – nur du – und die, welcher du dein Herz schenkest! Nimm ihn – behalte ihn. Die Urkunde, daß ich dir den Falken schenke, steckt bereits im Innern des Vogels. Trinke dich gesund daraus, drink all ut!

Die Reichsgräfin entließ ihren Enkel, das Wiedersehen und das Sprechen griffen sie an. Ihre starke Natur aber erlag dieser Aufregung dennoch nicht, vielmehr schlief sie ruhiger und anhaltender, wie seit lange.

Am folgenden Tage fühlte sich die Kranke merklich besser; es war als ob der Anblick desjenigen ihrer Enkel, der ihrem Herzen von seiner frühen Jugend an am Nächsten stand, der gleichsam ihr Eigenthum geworden war, sie neu belebt habe, und sie sandte bei guter Zeit nach Ludwig, damit er ihr von seinen bisherigen Schicksalen erzählen möge. Dies that denn auch der Graf ausführlich; die Alte hörte schweigend zu und blieb ganz ruhig, dann sagte sie: Bitte, mein gutes Kind, bitte die Prinzessin Hoheit, mir die Ehre ihres Besuches nur auf eine Viertelstunde zu schenken, sie wird mir dies nicht abschlagen, denn sie hat mir immer, als ihr Haus noch gute Tage sah, viele Zuneigung erwiesen. Was ich ihr zu sagen habe ist wichtig. Sie wird auch schon deshalb auf meinen Wunsch eingehen, weil ich ihren Angehörigen Gutes erzeigte.

Theuerste Großmutter, entgegnete darauf Ludwig: Ihr Wunsch kommt der Bitte jener hohen Frau zuvor, sie hat auf der ganzen Hieherreise von Sanct Petersburg nach Hamburg sich darauf gefreut, Sie wieder zu sehen, Ihnen das Kind zuzuführen.