Allerunterthänigst muß ich für das Glück und die Auszeichnung danken, Eurer Majestät Offizier zu werden, antwortete Ludwig im bescheidensten Tone: ich bin körperlich zum Militärdienst untauglich. Die Prinzessin Sophie wird die Huld Eurer Majestät zu würdigen wissen und sich für die Annahme einer der Gnaden entscheiden, die allerhöchst ihr anzubieten Eure Majestät geruht haben. Majestät geruhen den Ausdruck unterthänigsten Dankes im Voraus entgegen zu nehmen.
Der Kaiser nickte gnädig zum Zeichen der Entlassung, und bat Sophie noch, ihre schöne Mutter von ihm zu grüßen. Die Prinzessin zitterte an Ludwig’s Arme, als sie, in ihren Schleier gehüllt, durch die mit besternten Kammerherren und hohen Militärchargen angefüllten Vorsäle, durch die Schaar goldbetreßter Diener schritt; sie athmete tief auf, da sie endlich im Wagen saßen, um nach ihrem Hotel zurückzufahren. Verwundert sahen die Höflinge dem Paare nach. Wer war der Mann, der eine Prinzessin, wie man sprach, zur Audienz beim Kaiser führte, im schlichten schwarzen Bürgerkleid und hatte nicht einmal einen Orden auf der Brust!
Was sagten Sie dem Kaiser, Graf? Ich hörte es nicht genau vor Zittern und Zagen, fragte Sophie. Ich würde mich für Annahme einer der mir angebotenen Gnaden entscheiden? War es nicht so?
Allerdings, ich konnte nicht anders sprechen, entgegnete Ludwig: ich konnte, nachdem ich für meine Person abgelehnt hatte, nicht auch in Ihrem Namen, ohne vorher Ihren Willen zu kennen, Nein sagen.
Und wünschten Sie, daß ich Ja sagte, Graf? fragte Sophie. Wünschen Sie mich los zu werden? Habe ich Ihnen nicht bereits meinen Willen und meinen Entschluß, in Rußland nicht zu verweilen, offen ausgesprochen?
O Himmel, Sophie! Sie geben mir das Leben wieder! rief der Graf freudig bewegt und führte ihre Hand an seine Lippen. Ich zitterte Ihrer Entscheidung entgegen, und wollte Sie nicht binden; ich hatte dazu kein Recht. Alles Glück, alle Freuden, auf welche Hoheit und Liebreiz Ansprüche haben, wären Ihnen vom Kaiserhofe zu Theil geworden; Ihre Frau Mutter hätte das wohl am Liebsten gesehen.
Ich will bei Ihnen bleiben, entgegnete Sophie mit sanftem Erröthen: will mit Ihnen gehen, wohin Sie mich führen, in die Stille, nur in die Stille, auch Sie lieben ja die Stille, und ich sehne mich gleichfalls nach ihr.
Ludwig war selig in seinem Gefühl – eine Vorahnung heiliger Stille, süßen Friedens kam über ihn und erfüllte sein ganzes Herz. Er sah nun, wie kein Gedanke in Sophie den Wünschen widerstrebte, die den holden Traum seiner Zukunft ausmachten.
Bei der Rückkehr in das Gasthaus trat ein stattlicher Herr dem Paare entgegen, kraftvoll gebaut, von militärischer Haltung, viele Ordensinsignien auf der Brust. Ludwig gab es einen Stich in’s Herz, er wollte schnell mit seiner Begleiterin an ihm vorübergehen, aber Jener vertrat ihm den Weg, und rief erstaunt: Ludwig! Vetter! Du hier?
Wie du siehst, Wilhelm, erwiederte der Graf. Ich bin im Augenblick zu deinem Befehle, erlaube nur, daß ich diese Dame erst nach ihrem Zimmer begleite.