Fahr hin, Glück von Edenhall! sprach dazu Ludwig ganz kaltblütig, mit einer Anspielung auf eine bekannte Sage.

Was ist’s mit dem Glück von Edenhall? fragte Graf Wilhelm rauh und hastig, indem er seinen Grimm zu bemeistern suchte.

Als ich in England, in der Grafschaft Devonshire war, erzählte Ludwig, nachdem er ein frisches Glas und eine frische Flasche Champagner bestellt hatte: fand ich auf dem reizenden Schloß Chatsworth, in einem Zimmer, darin die unglückliche Maria Stuart sechzehn Jahre ihres Lebens vertrauerte und neben dem mein Schlafkabinet war, eine alte schottische Chronik, darin ich von einem schönen Krystallbecher las, welcher dem Grafenhause von Castle Edenhall in Cumberland als Geschenk einer Fee gehörte, und »das Glück von Edenhall« genannt ward. So lange es existirte, sollte des Hauses Glück unwandelbar blühen. Ein Sproß des Hauses von wildem Sinn wollte das Glück versuchen, stieß das Glas auf, und da zerbrach es unter schrillem Klang. Wie jener Becher zersprungen war, wich alles Glück vom Hause der Lords von Edenhall, es spaltete sich die Familie, ein Unfriede herrschte darin und Alles ging zu Grunde. Seitdem lebt das Sprichwort dort im Volke, wenn Jemand mit Absicht oder auch ohne Absicht ein Geräth zerbricht: Fahr hin, Glück von Edenhall!

Eine düstere Wolke des Mißmuths lagerte sich über die Stirne des Reichsgrafen.

Erst nach einer Pause fragte er, als könne er den Gedanken noch immer nicht fassen, mit erneutem Erstaunen: Du hast also wirklich den Falken verschenkt? Sage mir, Mensch, hast du den Stein der Weisen gefunden? Kannst du Gold machen?

Wer weiß, entgegnete Ludwig geheimnißvoll, dem es eine wahre Lust war, den Grafen durch Zweifel zu quälen. Als ich die Bäder von Buxton gebrauchte, besuchte ich auch die in jener Gegend gelegene berühmte Peakhöhle bei Castleton; ich stand in der gothischen Geisterkirche dieser majestätischen Stalaktitenhöhle, einer Kirche, welche die Hand der Natur für den Weltgeist wölbte; ich lauschte dort einem Chorgesang, der wunderbar erklang, tief schwermüthig, und was tönten diese fernen Stimmen unsichtbarer Sänger? Es waren Strophen einer altschottischen Ballade, davon lautete die letzte:

»O leide, leide, mein wackrer Falk,
Die Federn fallen dir aus!
O leide, leide, mein liebster Herr,
Seht blaß und elend aus!«

Ja, es war schön und reizend im Castle Chatsworth. Und siehst du, Vetter, dort könnte ich wohl auch den Stein der Weisen gefunden haben.

Wie finde ich dich so ganz anders, als ich mir dich dachte, Vetter Ludwig, rief Graf Wilhelm. Du scheinst viel Glück gehabt zu haben! Bist wohl sehr reich?

Hm, es geht an! versetzte Jener mit leichtem Tone, so reich bin ich mindestens, daß mich nicht nach russischen Rubeln gelüstet!