Da nun das Abenteuer mit dem Ungeheuer von den sieben Schwaben so glückhaft bestanden war, so wurden sie eins,
nunmehr von ihren Taten auszuruhen und wieder friedlich heimzuziehen. Zuvor aber tat not, ein Siegeszeichen zu errichten, das der Mit- und Nachwelt ihren Triumph auf ewige Zeiten vermelde. Da nun unmöglich war, wie vor Zeiten tapfere Ritter getan, die Drachenhaut in einer Kirche aufzuhängen, dieweil kein Drache sein Fell zu Markte getragen und der Has in seinem Balg wohlbehalten entkommen war, so wurden die guten Gesellen dahin eins, ihr Bärenfell und ihren Spieß als eine Trophäe in die nächstgelegene Kapelle zu stiften, die hieß man hernach die Kapell zum schwäbischen Heiland. Dort wird wohl der Spieß noch hängen, das Bärenfell aber haben die Motten verzehrt, und die Sperlinge haben die Haare in ihre Nester getragen.
Vom Schwaben, der das Leberlein gefressen.
Als unser lieber Herr und Heiland noch auf Erden wandelte, von einer Stadt zur andern, das Evangelium predigte und viele Zeichen tat, kam zu ihm auf eine Zeit ein guter einfältiger Schwab und fragte ihn: „Mein Leiden-Gesell, wo willt du hin?“ Da antwortete ihm unser Herrgott: „Ich ziehe um, und mache die Leute selig.“ So sagte der Schwab: „Willt du mich mit dir lassen?“ — „Ja,“ antwortete unser Herrgott, „wenn du fromm sein willt und weidlich beten.“ Das sagte der Schwab zu. Als sie nun miteinander gingen, kamen sie zwischen zwei Dörfer, darinnen läutete man. Der Schwab, der gern schwätzte, fragte unsern Herrgott: „Mein Leiden-Gesell, was läutet man da?“ Unser Heiland, dem alle Dinge wissend waren, antwortete: „In dem einen Dorfe läutet man zu einer Hochzeit, in dem andern zum Begängnis eines Toten.“ — „Gang du zum Toten!“ sprach der Schwab, „so will ich zur Hochzeit gehn.“
Darauf ging unser Herrgott in das Dorf und machte den Toten wieder lebendig, da schenkte man ihm hundert Gulden. Der Schwab tät sich auf der Hochzeit um, half einschenken, einem Gast um den andern, und auch sich selbst, und als die Hochzeit zu Ende war, da schenkte man ihm einen Kreuzer. Das war der Schwab wohl zufrieden, machte sich auf den Weg und kam wieder zu unserm Herrgott. Alsbald, wie der Schwab diesen von weitem sahe, hub er sein Kreuzerlein in die Höhe und schrie: „Lug, mein Leiden-Gesell! Ich hab’ Geld; was hast denn du?“, trieb also viel Prahlens mit seinem Kreuzerlein. Unser Herrgott lachte seiner und sprach: „Ach, ich hab’ wohl mehr als du!“ tät den Sack auf und ließ den Schwaben die hundert Gulden sehen. Der aber war nicht unbehend, warf geschwind sein armes Kreuzerlein unter die hundert Gulden, und rief: „Gemein, gemein! Wir wollen alles gemein miteinander haben!“ Das ließ unser Herrgott gut sein.
Nun als sie weiter miteinander gingen, begab es sich, daß sie zu einer Herde Schafe kamen, da sagte unser Herrgott zum Schwaben: „Gehe, Schwab, zu dem Hirten, heiße ihn uns ein Lämmlein zu geben, und koche uns das Gehänge oder Geräusch zu einem Mahle.“ — „Ja!“ sagte der Schwab, tat, wie ihm der Herr geheißen, ging zum Hirten, ließ sich ein Lämmlein geben, zog’s ab und bereitete das Gehänge zum Essen. Und im Sieden da schwamm das Leberlein stets empor; der Schwab drückt’s mit dem Löffel unter, aber es wollte nicht unten bleiben, das verdroß den Schwaben über alle Maßen. Nahm deshalb ein Messer, schnitt das Leberlein, dieweil es gar war, voneinander und aß es. Und als nun das Essen auf den Tisch kam, da fragte unser Herrgott, wo denn das Leberlein hingekommen wär? Der Schwab aber war gleich mit der Antwort bei der Hand, das Lämmlein habe keines gehabt. „Ei!“ sagte unser Herrgott, „wie wollte es denn gelebt haben ohne ein Leberlein?“ Da verschwur sich der Schwab hoch und teuer:
„Es hat bei Gott und allen Gottes-Heiligen keines gehabt!“ Was wollte unser Herrgott tun? Wollte er haben, daß der Schwab still schwieg, mußt’ er wohl zufrieden sein.