Legt’s unter den Wacholderbaum.

Kiwit, Kiwit,

Was für ein schöner Vogel bin ich.

Da wurde sie ganz vergnügt und fröhlich; sie zog die neuen roten Schuhe an, tanzte und sprang hinein. „Ach,“ sagte sie, „ich war so traurig, als ich hinausging, und nun bin ich lustig; das ist ’mal ein herrlicher Vogel; hat mir ein Paar Schuhe geschenkt.“ „Nein,“ sagte die Frau und sprang auf, und die Haare standen ihr zu Berge wie Feuerflammen, „mir ist, als sollte die Welt untergehen! ich will auch hinaus, vielleicht wird es mir auch leichter.“ Und als sie aus der Türe kam, bratsch! warf ihr der Vogel den Mühlstein auf den Kopf, daß sie ganz zerquetscht wurde. Als der Vater und Marlenchen das hörten, gingen sie hinaus, da sahen sie Dampf, Flammen und Feuer auf der Stelle, und als das verloschen war, da stand der kleine Bruder da, der nahm den Vater und Marlenchen bei der Hand. Alle drei waren nun recht vergnügt und gingen in das Haus, setzten sich zu Tische und aßen.

Der weiße Wolf.

Ein König ritt jagen in einem großen Walde, darinnen er sich verirrte, und mußte manchen Tag wandern und manche Nacht, fand immer nicht den rechten Weg und mußte Hunger und Durst leiden. Endlich begegnete ihm ein kleines schwarzes Männlein, das fragte der König nach dem rechten Weg. „Ich will dich wohl führen und geleiten,“ sagte das Männlein, „aber du mußt mir auch etwas dafür geben, du mußt mir das geben, was dir aus deinem Hause zuerst entgegenkommt.“ Der König war froh und sprach unterwegs: „Du bist recht brav, Männchen; wahrlich und wenn mein bester Hund mir entgegenlief, so wollt’ ich dir ihn doch gern zum Lohne geben.“ Das Männlein aber erwiderte: „Deinen besten Hund, den mag ich nicht, mir ist was andres lieb.“ Wie sie nun beim Schlosse ankamen, so sah des Königs jüngste Tochter durchs Fenster ihren Vater geritten kommen und sprang ihm fröhlich entgegen. Da sie ihn aber in ihre Arme schloß, sprach er: „Ei, wollt’ ich doch, daß lieber mein bester Hund mir entgegengekommen wäre!“ Über diese Rede erschrak die Königstochter gar sehr, und weinte und rief: „Wie das, mein Vater? Ist dir dein Hund lieber denn ich, und sollte er dich froher willkommen heißen?“ Aber der König tröstete sie und sagte: „O liebe Tochter, so war es ja nicht gemeint!“ und erzählte ihr alles. Sie aber blieb ganz standhaft und sagte: „Es ist besser so, als daß mein lieber Vater umgekommen wäre im wilden Walde,“ und das Männchen sagte: „Nach acht Tagen hole ich dich.“

Und nach acht Tagen richtig, da kam ein weißer Wolf in das Königsschloß, und die Königstochter mußte sich auf seinen Rücken setzen, und heisa, da ging’s durch dick und dünn, bergauf und ab, und die Königstochter konnte das Reiten auf dem Wolf nicht aushalten und fragte: „Ist’s noch weit?“ — „Schweig! Weit, weit ist’s noch zum gläsernen Berge — schweigst du nicht, so werf ich dich herunter!“ Nun ging es wieder so fort, bis die arme Königstochter wieder zagte und klagte und fragte, ob es noch weit sei? Und da sagte ihr der Wolf die nämlichen drohenden Worte, und rannte immer fort, immer weiter, bis sie zum dritten Male die Frage wagte, da warf er sie auf der Stelle von seinem Rücken herunter und rannte davon.

Nun war die arme Prinzessin ganz allein in dem finstern Walde, und ging und ging und dachte: Endlich werde ich doch einmal zu Leuten kommen. Und endlich kam sie an eine Hütte, da brannte ein Feuerchen und da saß ein altes Waldmütterchen, das hatte ein Töpfchen am Feuer. Und da fragte die Königstochter: „Mütterchen, hast du den weißen Wolf nicht gesehen?“ — „Nein, da mußt du den Wind fragen, der fragt überall herum, aber bleibe erst noch ein wenig hier und iß mit mir. Ich koche hier ein Hühnersüppchen.“ Das tat die Prinzessin, und als sie gegessen hatten, sagte die Alte: „Nimm die Hühnerknöchelchen mit dir, du wirst sie gut gebrauchen können.“ Dann zeigte ihr die Alte den rechten Weg nach dem Winde.

Als die Königstochter bei dem Winde ankam, fand sie ihn auch am Feuer sitzen und sich eine Hühnersuppe kochen, aber auf ihre Frage nach dem weißen Wolf antwortete er ihr: „Liebes Kind, ich habe ihn nicht gesehen, ich bin heute einmal nicht gegangen, und wollte mich einmal hübsch ausruhen. Frage die Sonne, die geht alle Tage auf und unter, aber erst mache es wie ich, ruhe dich aus und iß mit mir, kannst hernach auch alle die Hühnerknöchlein mit dir nehmen, wirst sie wohl gut brauchen können.“