„Platz da!“ schrie Hänschen, „hier sitze ich, marsch, oder ich halbier’ dich mit dem Schnitzelmesser.“
Auf einmal polterte es wieder im Schornstein, Totenbeine und Schädel prasselten herab und noch einige Männer vom greulichsten Aussehen. „Guten Abend, meine Herren!“ sagte Hänschen; „Sie sind doch ganze Männer, das laß ich mir gefallen. Gehören vielleicht in die Familie Schön? Ach, wie schade, daß kein Spiegel im Zimmer hängt. Womit könnt’ ich Ihnen denn eigentlich dienen?“ — Die Männer sahen Hänschen mit furchtbaren Blicken an, einer nahm die Totenbeine, es waren gerade neun, und stellte sie als Kegel auf, die andern nahmen die Schädel und rollten sie nach den Kegeln.
„Kegel schieben tu’ ich für mein Leben gern!“ sagte Hänschen, „erlauben Sie nicht, daß ich auch mitspiele? Spielen Sie Brettspiel oder Partens? Ums Partiegeld? Wie?“
„Hast du Geld?“ fragten die Männer grimmig.
„Oui!“ sagte Hänschen, und fuhr in die Tasche und klimperte.
„Nun so schieb’ an!“ schrie einer der Männer und reichte ihm einen Totenschädel dar.
„Mit Verlaub, das ist eine eckige Kugel. Gebt her, da hab’ ich eine Drehbank stehen, wollen sie hübsch rund drehen, damit wir gut alle neun treffen.“ Sprach’s und setzte sich, und drehte die Schädel rund. Dann ging das Spiel an, Hänschen schob gut, aber die Männer schoben noch besser, Hänschen verlor etwas, und das Spiel fing wieder an, Hänschen schob und rief freudig: „Alle neun!“ — „Nein, zwölf!“ riefen die Männer mit dumpfem Ton, und verschwanden mit Knochen und Schädeln, und die alte Uhr auf dem Schloßturm schlug zwölf. „Nun so was!“ rief Hänschen. „Ist das auch eine Manier? Erst locken sie mir mein bißchen Geld ab, und nun ich gut schiebe, machen sie sich aus dem Staube.“ Darauf legte er sich wieder in das Bett, das heute ganz ruhig blieb, und schlief bis an den hellen Morgen.
„Heute wird er wohl nicht mehr am Leben sein,“ sprach der König, als er auf Hänschens Zimmer zuging, „ich höre ihn nicht wie gestern schnarchen, wird wohl aus sein mit ihm.“ Aber Hänschen ermunterte sich sehr schnell und sprach: „Wünsche wohl geruht zu haben, Majestät!“ — „Gleichfalls, danke schön!“ antwortete der König. „Wie ging es diese Nacht?“ — „Recht hübsch, danke der gütigen Nachfrage, Herr König!“ antwortete Hänschen. „Es war eine Sorte Schlotfeger da, sie kamen zum Schornstein heruntergefahren und wir haben mit Totenbeinen gekegelt.“ Dem König schauerte die Haut und er sagte: „Aber das ist ja ganz gruselig!“ — „Was denn, Herr König?“ fragte Hänschen. „Das — eben!“ erwiderte der König. „Nun Glück zu, zur dritten Nacht!“
„’s ist doch recht fatal, daß ich nimmermehr das Gruseln lerne!“ sprach Hänschen zu sich selbst, als die dritte Nacht herbeikam. Auf einmal entstand ein großer Rumor, sechs Männer traten in das Zimmer, die trugen eine Totenlade auf der Bahre, stellten sie vor Hänschen hin und verschwanden. Hänschen dachte: „Wer mag da drinnen liegen?“ Und öffnete den Sarg. Da lag einer drin, der war steif und eiskalt. — „Ach, den friert, er ist ganz steif vor Frost,“ sagte Hänschen, „den muß ich wärmen!“ hob den Toten aus dem Sarge und trug ihn an sein Feuer, aber er blieb kalt. „Der muß ins Bette, da wird er schon erwarmen“ — und nahm ihn und legte ihn ins Bette, und sich dazu. Nach einer Weile wurde der Tote warm und wachte auf, und machte sich breit und sagte: „Wer hat dich geheißen mich in meiner Ruhe stören? Jetzt sollst du sterben!“ — „Ist das eilig?“ fragte Hänschen, packte jenen rasch an, warf ihn in die Totenlade, den Deckel darauf, und schraubte denselben schnell zu. Da kamen gleich die sechs Männer wieder, die hoben den Sargkasten auf und trugen ihn fort.
Bald darauf trat ein greulicher Riese herein, mit großem langem Bart, der schrie: „Wurm! Jetzt mußt du sterben! Du mußt mit mir!“ — „Ich gehe nicht mit dir!“ sagte Hänschen. „Es pressiert mir nicht; ich habe noch zu tun, wie du siehst!“ und setzte sich an die Drehbank, und trat das Rad, und drehte die Spindel, und hielt den Meißel an das Werkholz. Der Riese bog sich über das Rad her und wollte Hänschen fassen. Mit einem Male schrie er aber laut: „Au! Au! Mein Bart, mein Bart!“ Es war das Ende des Bartes zwischen die Darmsaite, die das Rad umschwingen half, gekommen und hatte sich durch das schnelle Drehen festgewickelt und zog nun den ganzen Kopf nach sich, und Hänschen trat frisch darauf los und sagte: „Kerl, hab’ acht, jetzt drehe ich dir deine große Nase ab, und drehe dir die Augen aus, und drehe aus deinem dicken Kopf eine Kegelkugel, so wahr ich Hänschen heiße!“ Da gab der Riese die besten Worte, Hänschen solle ihn gehen lassen, er wolle ihm auch die drei Kisten voll Gold zeigen, eine sei dem König, die zweite sei den Armen bestimmt, die dritte wolle er ihm schenken. „Nun wohl,“ sagte Hänschen, „gib das Ding her, aber bis ich’s habe, bleibst du in den Bock gespannt und trägst die Drehbank auf deinen Schultern.“