Nun geschah es von ungefähr, daß ein Weib ein Schwein dahertrieb, welches nicht nach ihrem Willen ging, sondern die Kreuz die Quere, da schrie das zornige Weib im höchsten Ärger dem Schwein zu: „Ei, so geh zum Teufel, daß dich der mit Haut und Haar hole!“

„Hörst du, Geselle?“ rief der Richter dem Teufel zu. „Jetzt greife hin und nimm das Schwein.“ Aber der Teufel antwortete: „Es ist leider der Frau nicht Ernst mit ihrem Wort. Sie würde ein ganzes Jahr lang trauern und sich grämen, nähme ich ihr Schwein. Nur was mir im Ernste gegeben wird, das darf ich nehmen.“

Ähnliches geschah bald hernach mit einem Weib und einem Kind. Das letztere ging auch nicht so, wie die Frau es lenken wollte, so daß sie auch zu schreien begann: „Hole dich der Teufel, und drehe dir den Hals um!“ „Hörst du, Geselle?“ fragte da wieder der Richter. „Das Kind ist dein, hörst du nicht, daß man es dir ernstlich gibt?“

„O nein, es ist auch nicht ihr Ernst!“ antwortete der Teufel. „Sie würde bitterlich wehklagen, nähme ich sie beim Wort, und das Kind nicht fahren lassen.“

Jetzt sahen beide ein Weib, das hatte viel mit einem Kinde zu schaffen, welches heftig schrie und sich sehr unartig gebärdete, so daß die Frau voll Unwillens war und ausrief: „Willst du mir nicht folgen, so nehme dich der böse Feind, du Balg!“

„Nun? nimmst du auch nicht dieses Kind?“ fragte der Richter ganz verwundert, und der Teufel antwortete: „Ich habe des keine Macht, das Kindlein zu nehmen. Dieses Weib nähme nicht zehn, nicht hundert und nicht tausend Pfund, und gönnte mir im Ernst das Kind; wie gern ich’s auch nähme, darf ich doch nicht, denn es ist nicht des Weibes rechter Ernst.“

Nun kamen die beiden recht mitten auf den Markt, wo das dichteste Volksgedränge war, da mußten sie ein wenig stille stehen, und konnten nicht durch das Gewimmel und Getümmel schreiten. Da wurde ein Weib des Richters ansichtig, das war arm und alt und krank und trug ein großes Ungemach; sie begann laut zu weinen und zu schreien, und ließ vor allem Volk folgende heftige Rede vernehmen: „Weh über dich, Richter!

Weh über dich, daß du so reich bist und ich so arm bin; du hast mir ohne Schuld, göttliche und menschliche Barmherzigkeit verleugnend, mein einziges Kühlein genommen, das mich ernährte, von dem ich meinen ganzen Unterhalt hatte. Weh über dich, der du es mir genommen hast! Ich flehe und schreie zu Gott, daß er durch seinen Tod und bitteres Leiden, die er für die Menschheit und für uns arme Sünder trug, meine Bitte gewähre, und die ist, daß deinen Leib und deine Seele der Teufel zur Hölle führe!“ Auf diese Rede tat der Richter weder Sage noch Frage, aber der Teufel fuhr ihn höhnisch an und sprach: „Siehst du, Richter, das ist Ernst, und den sollst du gleich gewahr werden!“ Damit streckte der Teufel seine Krallen aus, nahm den Richter beim Schopf, und fuhr mit ihm durch die Lüfte von dannen, wie der Geier mit einem Huhn. Alles Volk erschrak und staunte, und weise Männer sprachen die Lehre aus:

Es ist ein unweiser Rat,