Der Mann und die Frau sprangen deckenhoch, und konnten sich vor Freuden gar nicht lassen. Und jetzt sind sie ein ganzes Jahr lang zufrieden und fröhlich gewesen und haben sich gar nichts Besseres denken können. Aber länger hat’s auch nicht gedauert, keinen Tag, denn weil sie jetzt manchmal in die Stadt gefahren sind, haben sie die schönen großen Häuser und die schöngeputzten Herren und Madamen sehen spazieren gehn, da haben sie gedacht: Ei, in der Stadt muß es aber herrlich sein, und da braucht man nicht viel zu tun und zu arbeiten; und die Frau hat sich gar nicht können satt sehen an dem Staat und dem Wohlleben und hat zu ihrem Mann gesagt: „Wir wollen auch in die Stadt, ruf’ du dem goldigen Vöglein! Wir sind nun schon lange genug auf dem Bauernhof.“ Der Mann hat aber gesagt: „Frau, ruf’ du ihm!“ — Endlich hat die Frau dreimal in die Hände geklatscht und hat gerufen:

„Goldvögelein im Sonnenstrahl!

Goldvögelein im Demantsaal!

Goldvögelein überall!“

Da ist das goldige Vöglein wieder zum Fenster hereingeflogen, und hat gesagt: „Was wollet ihr nur von mir?“ — „Ach,“ hat die Frau gesagt, „wir sind das Bauernleben müde, wir möchten auch gern Stadtleute sein, und schöne Kleider haben, und in so einem großen prächtigen Haus wohnen, hernach wollen wir zufrieden sein.“ Das goldne Vöglein hat wieder mit seinen Guckäugelein geblinzt, hat aber nichts gesagt, und hat sie in das schönste Haus in der Stadt geführt, da war alles raritätisch aufgeputzt, und waren Schränke darin und Kommoden, da hingen und lagen Kleider drinnen nach der neuesten Mode. Jetzt haben der Mann und die Frau gemeint, es gibt auf der Welt nichts Besseres und Schöneres, und waren vor lauter Freude außer sich. Das hat aber leider wieder nicht lange gedauert, so hatten sie es wieder satt, und sprachen zueinander: „Wenn wir’s nur so hätten wie die Edelleute; die wohnen in herrlichen Palästen und Schlössern, und haben Kutschen und Pferde, und Bedienten mit goldbordierten Röcken stehen auf den Kutschen. Ja, das wär’ erst etwas Rechtes; so ist’s doch nur eine armselige bürgerliche Lumperei.“ Und die Frau hat gesagt: „Jetzt ist’s an dir, dem goldigen Vögelein zu rufen.“ Der Mann hat doch wieder lange nicht gewollt, endlich, wie die Frau gar nicht nachgelassen hat mit Dringen und Drängen, hat er dreimal in die Hände geklatscht und gerufen:

„Goldvögelein im Sonnenstrahl!

Goldvögelein im Demantsaal!

Goldvögelein überall!“

Da ist das goldene Vöglein wieder zum Fenster hereingeflogen und hat gefragt: „Was wollt ihr nur von mir?“ Da sagte der Mann: „Wir möchten gern Edelleute werden, hernach wollen wir zufrieden sein.“ Da hat aber das goldene Vögelein gar arg mit den Äuglein geblinzelt, und hat gesagt: „Ihr unzufriednen Leute! Werdet ihr denn nicht einmal genug haben? Ich will euch auch zu Edelleuten machen, es ist euch aber nichts nutz!“ und hat ihnen gleich ein schönes Schloß geschenkt, Kutschen und Pferde und eine zahlreiche Bedienung. — Jetzt sind sie nun Edelleute gewesen, und sind alle Tage spazieren gefahren, und haben an nichts mehr gedacht, als wie sie die Tage herumbringen wollten in Freuden und mit Nichtstun, außer daß sie die Zeitungen gelesen haben.

Einmal sind sie in die Hauptstadt gefahren, ein großes Fest zu sehen. Da sind der König und die Königin in ihrer ganz vergoldeten Kutsche gesessen, in goldgestickten Kleidern, und vorn und hinten und auf beiden Seiten sind Marschälle, Hofleute, Edelleute und Soldaten geritten, und alle Leute haben die Hüte und Taschentücher geschwenket, wo der König und die Königin vorbeigefahren sind. Ach wie hat da dem Manne und der Frau vor Ungeduld das Herz geklopft! Kaum waren sie wieder nach Hause, so sprachen sie: „Jetzt wollen wir noch König und Königin werden, hernach wollen wir aber einhalten.“ Und da haben sie wieder alle zwei miteinander in die Hände geklatscht, und haben gerufen, was sie nur rufen konnten: