„Goldvögelein im Sonnenstrahl!

Goldvögelein im Demantsaal!

Goldvögelein überall!“

Da ist das goldne Vöglein wieder zum Fenster hereingeflogen, und hat gefragt: „Was wollt ihr nur von mir?“ Da haben sie beide geantwortet: „Wir möchten gern König und Königin sein.“ Da hat aber das Vöglein ganz schrecklich mit den Augen geblinzelt, hat alle Federchen gesträubt, hat mit den Flügeln geschlagen und hat gesagt: „Ihr wüsten Leute, wann werdet ihr denn einmal genug haben? Ich will euch auch noch zum König und zur Königin machen, aber dabei wird’s doch nicht bleiben sollen, denn ihr habt nimmermehr genug!“

Jetzt sind sie nun König und Königin gewesen, und haben übers ganze Land zu gebieten gehabt, haben sich einen großen Hofstaat gehalten und ihre Minister und Hofleute haben müssen auf die Knie niederfallen, wenn sie eines von ihnen ansichtig wurden. Auch haben sie nach und nach alle Beamten im ganzen Lande vor sich kommen lassen, und ihnen vom Thron herab ihre strengsten Befehle erteilt. Und was es nur Teures und Prächtiges in aller Herren Ländern gab, das mußte herbeigeschafft werden, daß ein Glanz und ein Reichtum sie umgab, der unbeschreiblich ist. Und doch sind sie jetzt noch nicht zufrieden gewesen, und sagten immer: „Wir müssen noch etwas mehr werden!“ Da sprach die Frau: „Werden wir Kaiser und Kaiserin.“ — „Nein!“ sagte der Mann, „wir wollen Papst werden!“ — „Hoho! Das ist alles nicht genug!“ schrie die Frau in ihrem Eifer. „Wir wollen lieber Herrgott sein!“

Kaum aber hatte sie dies Wort ausgeredet, so ist ein mächtiger Sturmwind gekommen, und ein großer schwarzer Vogel mit funkelnden Augen, die wie Feuerräder rollten, ist zum Fenster hereingeflogen, und hat gerufen, daß alles erzitterte: „Daß ihr versauern müßt im Essigkrug!“

Pautz, und da war alle Herrlichkeit zum Kuckuck, und da saßen sie alle beide, der Mann und die Frau, wieder in ihrem engen Essigkrug drin; da sitzen sie noch und können drin bleiben bis an den Jüngsten Tag.

Das ist eine Lehre für solche, die nie genug bekommen können.