Aus dem mittleren Reiche mag hier ein Beispiel Platz finden, das auch den verbissensten Lotomanen deutlich über den Unterschied zwischen Nymphaea und Papyrus belehren wird ([Abb. 46]). Die biegsamen Stengel einiger Nymphaeen sind hier um drei starre Stiele Papyrus herumgelegt; der Papyrus hat seine Fussblätter, die bei der Nymphaea natürlich fehlen; die bewegten Seitencontouren der Papyrusdolde weichen deutlich von den straffen Aussenlinien der Nymphaeen ab, dem entsprechend auch die oberen Begrenzungslinien; die Kopfblätter des Papyrus sind nur kurz, während bei der Nymphaea alle Blätter bis zum oberen Rande gehen; endlich ist die Papyrusdolde mit einzelnen Strahlen gefüllt und die Nymphaeablüthe mit ihren spitzigen Blättern versehen.

[Abbildung 47.]

[Abbildung 48.]

Um noch aus einer späteren Epoche ein Beispiel anzuführen, ist hierneben ein Papyrusornament aus einer Schale des neuen Reiches abgebildet ([Abb. 47]). Hier sind nur aus Flüchtigkeit die Fussblätter fortgelassen, sonst ist die Darstellung genau wie die übrigen.

[Abbildung 49.]

Decorativ wurde der Papyrus bekanntlich ungeheuer oft verwendet. Als Füllornament an den Scheinthüren des alten Reiches dienten zwei gegeneinander gelegte, zusammengebundene Dolden ([Abb. 48]). Auch noch im mittleren kommen sie so vor ([Abb. 49]). Als freie Endigung ist Papyrus in jeder Epoche verwendet worden: an Stühlen[48], Sceptern[49], Kahnenden[50] und Aehnlichem. Ferner ist er sehr häufig als Griff von Spiegeln[51], Wedeln[52] u. s. w. Hierbei soll nicht unerwähnt bleiben, dass neben der bisher geschilderten Papyrusform, die uns für unsere Säulenfrage einzig und allein interessiert, noch eine zweite Form vorkommt, die in der Ornamentik auch häufige Verwendung findet; nämlich die Form, welche durch Zusammenfassen einer Dolde am unteren Ende entstanden ist ([Abb. 50]).