[Abbildung 50.]

Wie der Papyrus im Ornament äusserst häufig Verwendung findet, so ist er auch für die ägyptische Säule das beliebteste Motiv; auf 10 Säulen kommen etwa 8 bis 9 Papyrussäulen. Dies mag wohl daher kommen, dass der Papyrus die architektonische Idee der ägyptischen Säule, von der wir noch zu sprechen haben werden, am besten verkörpert und daher wohl den ägyptischen Künstlern für die Säulenform am sympathischsten war.

Bei diesen Säulen haben wir ähnlich wie bei den Nymphaeensäulen zu unterscheiden zwischen solchen mit geschlossenem und mit offenem Papyrusdoldenkapitell. Der früher gebräuchliche Ausdruck Knospensäulen für die geschlossenen Papyrussäulen hatte zwar so lange eine gewisse Berechtigung, wie man die Kapitelle dieser Säulenart als Lotusknospen gelten liess, da sie jedoch weder mit den Nymphaeenknospen und noch weniger mit Papyrusknospen etwas zu thun haben, muss auch der Ausdruck Knospenkapitell verworfen werden, und wir wollen lieber dafür die oben angeführten, genaueren Bezeichnungen anwenden.

Ferner haben wir auch hier wie bei den Nymphaeensäulen einfache und Bündelsäulen, die letzteren ganz wie dort in der Ueberzahl. Ja, man könnte sogar fragen, ob einfache Papyrussäulen nicht überhaupt nur ganz vereinzelte Erscheinungen wären, da nur verhältnissmässig wenig sichere Beispiele von solchen wirklich erhalten sind[53], und die abgebildeten immer die Frage offen lassen, ob der ägyptische Künstler nicht etwa nur eine Papyrusstaude gezeichnet hat, um sich die complicirte Darstellung eines Bündels zu ersparen, wie wir ja Aehnliches bereits bei den Nymphaeensäulen beobachten konnten. Auffällig ist es jedenfalls, dass alle einfachen Papyrussäulen bis auf zwei weiter unten noch anzuführende Beispiele stets Halsbänder zeigen, die im Grunde doch nur den Bündelsäulen zukommen sollten.

Da sich jedoch bei den später zu besprechenden, sicher einfachen Palmensäulen auch Halsbänder zeigen, so kann man das Auftreten oder Fehlen der Halsbänder auch nicht als Kriterium für einfache oder Bündelsäulen ansehen. Trotz dieser Schwierigkeit haben wir die einfachen Säulen von den Bündelsäulen zu trennen versucht, müssen jedoch bei einigen der einfachen die Frage offen lassen, ob sie nicht besser zu den Bündelsäulen zu zählen sind.

Bevor wir nun in die Betrachtung der Papyrussäulen mit geschlossenem Kapitell eintreten, wollen wir, um Wiederholungen zu vermeiden, noch kurz auf die charakteristischen Unterschiede hinweisen, welche die Papyrussäulen von den Nymphaeensäulen trennen. Es sind naturgemäss dieselben, welche wir in der Ornamentik im allgemeinen beobachten konnten. Die Papyrus-Säule hat Blätter an der Basis, Schwellung des Schaftes am unteren Ende, dreikantiges Stengelprofil und kurze Blätter am Kapitell.

[Abbildung 51.]

[Abbildung 52.]