Die einfache Papyrussäule mit geschlossenem Kapitell lässt sich, wenn anders wir die Abbildung richtig verstehen, schon im alten Reiche nachweisen. In den Gräbern zu Sawijet el Meitin erscheint bereits die Darstellung eines solchen Kapitells ([Abb. 51]). Mangels jeder inneren Zeichnung lässt sich jedoch weiter nichts darüber sagen, als dass die äussere Contour auf Papyrus zu deuten scheint. Ebenso steht es mit den Säulenabbildungen aus dem Grabe des Si-renpowet bei Assuan[54], bei denen man auch nur aus der äusseren Form schliessen kann, dass Papyrussäulen gemeint sein dürften. Ob in beiden Fällen wirklich einfache Säulen dargestellt sein sollen, mag unentschieden bleiben. Aus dem mittleren Reiche fehlen wohl nur zufällig Beispiele der äusserst seltenen einfachen Papyrussäule mit geschlossenem Kapitell, dafür sind im neuen wieder einige Exemplare nachweisbar.
Von einer wohl als Bündelsäule gedachten, aber nur mit einfachem Kapitell dargestellten Säule aus der Zeit Thutmosis' III.[55] aus Semneh abgesehen, kommen zwei sehr charakteristische Beispiele aus der Zeit Amenophis' III. vor, beide im Grabe des Cha'-em-hēt zu Qurna.[56] Es sind Beispiele von schlanken Holzsäulen an Baldachinen ([Abb. 52]); über der Erdhügel-Basis entwickelt sich mit sanfter Schwellung ein Papyrusstengel von spitzen Fussblättern umgeben, den sich nach oben verjüngenden Schaft fassen Halsbänder mit den in jener Zeit gebräuchlichen frei flatternden Bandenden unter dem Kapitell; dieses hat die charakteristische Form des geschlossenen Papyrus, der bis auf die zu kurz und zu rundlich angegebenen Kopfblätter naturgetreu wiedergegeben ist; ein kleiner unscheinbarer Abakus stellt die Verbindung mit dem Gebälk her. Das zweite[57] hier nicht abgebildete Beispiel gleicht dem ersten bis auf eine unwesentliche Abänderung am Halsband und bis auf die ihm fehlende Basis, die bei keiner ägyptischen Säule absolut notwendig zu sein scheint.
Aus derselben Zeit, dem Ende der 18. Dynastie, stammt noch die Abbildung einer Säule ([Abb. 53]), welche wohl auch hierher zu den einfachen geschlossenen Papyrussäulen zu rechnen ist, trotzdem die gedrungene Form gar nichts mehr von der Schlankheit dieser Säulenart hat, sondern vielmehr an die geschlossene Bündelsäule erinnert. Die übereinander greifenden Fuss- und Kopfblätter lassen jedoch nur die Deutung einer einfachen Säule zu, falls man nicht etwa einen Irrthum des alten Malers oder ein Herübernehmen von Formen der offenen Papyrussäule annehmen will.
Damit sind die Exemplare der einfachen, geschlossenen Papyrussäule erschöpft. Aus der Spätzeit sind keine mehr bekannt, trotzdem geschlossene Papyrusdolden ganz in der Form der eben besprochenen Kapitelle an den Ptolemäischen Bündelsäulen zwischen anderen Pflanzen zu Haufen vorkommen.[58]
Die nun folgende Gattung der Papyrusbündelsäulen mit geschlossenem Dolden-Kapitell ist in der ägyptischen Architektur so zahlreich vertreten, dass wir die bisher wenigstens angestrebte Vollständigkeit in der Aufführung der Beispiele schon von vornherein aufgeben müssen und nur die besten Exempel heranziehen können, an denen sich die im Laufe der Zeiten mit dieser Säulenart vorgegangene Veränderung am deutlichsten zeigt.
Das einzige und auch nur fragmentarisch erhaltene Beispiel aus dem alten Reiche ([Abb. 35]) können wir schnell übergehen, zumal da man wirklich nur raten kann, ob wir hier eine Papyrusbündelsäule der fraglichen Art vor uns haben.[59]