Auch diese Art von Säulen befindet sich also ebenso wie die geschlossene Papyrussäule im neuen Reiche bereits in einem vorgeschrittenen Stadium der Verwilderung.

Um so wunderbarer ist es, dass die bereits an der Grenze der Spätzeit stehenden Taharka-Säulen im ersten Hofe des grossen Amonstempels zu Karnak[78] sich wieder mehr an die richtigen Formen des Papyrus anlehnen. Es fehlt diesen Säulen zwar die Schwellung, auch laufen die Doldenstrahlen wieder in Lilien und Papyrus aus, aber die Umrisslinie, sowie der feine obere Rand des Kapitells und namentlich die recht gut gezeichneten Kopf- und Fussblätter geben dem Ganzen dennoch ein fast naturalistisch zu nennendes Gepräge, das sie weit über die plumpen Gebilde der Ramessidenzeit erhebt.

[Abbildung 67.]

[Abbildung 68.]

Selbstverständlich tritt auch bei unseren offenen Papyrussäulen in der Spätzeit die allen Säulengattungen eigene Herunterschiebung des Halsbandes ein, wie beispielsweise eine noch unfertige Säule ([Abb. 67]) aus Giseh zeigt.

Ebenso selbstverständlich ist es, dass unsere offene Papyrusdolde in der Ptolemäer- und Kaiserzeit häufig wieder auftritt und zwar hier zum ersten Male sicher als Bündelsäule ([Abb. 68] u. [69]). Daneben treten allerdings auch noch Einzelsäulen mit offenem Doldenkapitell auf. Unter letzteren ist besonders ein Beispiel erwähnenswerth, das von dem sonst in der Ptolemäischen Epoche üblichen Typus der Säulen abweicht: eine Säule aus Kôm-Ombo[79], die die Herunterschiebung des Halsbandes nicht hat. Bemerkenswerth ist ausserdem hier und auch bei anderen Beispielen der Spätzeit die merkwürdig verständige Behandlung der einzelnen Doldenstrahlen.

[Abbildung 69.]