Offene Papyrus-Doldensäulen aus Luksor; n. R.; Dynastie 18; Zeit Amenophis' III. und Twet-anch-amun's; nach Berl. Museum Ph. 1412. und einer Photographie der Leipziger Universität.
So dürftig für unsere Säulenart die Anzahl der älteren Beispiele ist, so zahlreich sind die jüngeren von Dynastie 18 ab, so dass wir hier wieder nur mit Auswahl vorgehen können. Hierbei wollen wir ein Beispiel nicht vergessen, das eigentlich nur indirect hierher gehört, nämlich den Papyrus von den Granitpfeilern Thutmosis' III. zu Karnak ([Abb. 63]), welcher besonders durch seine noch erhaltenen Farbenreste lehrreich ist. Die Basis ist, wie gewöhnlich, als Erdhügel gedacht und daher rothbraun, die Fuss- und Kopfblätter sind gelb, Stengel und Dolde grün, die oberste Fläche der Dolde, wo in der Natur die kleinen braunen Blüthen sitzen (s. [Abb. 64]), ist roth bemalt. Von diesen Färbungen kehren die der Fuss- und Kopfblätter, sowie die des oberen Kapitellrandes auch auf anderen Säulen wieder, die Farbe des Stengels und des Kapitells wird jedoch sonst selten oder nie mit dem richtigen, natürlichen Grün wiedergegeben.
Abbildung 66a.
Am Kapitell versuchen die Künstler die einzelnen Doldenstrahlen durch Relief wiederzugeben, wie wir das zum Beispiel an einem recht guten Exemplar aus den Zeiten Amenophis' III. und Twet-anch-amun's aus Luksor sehen ([Abb. 65]). Dieses Beispiel zeigt ausser den schon oben erwähnten drei Kanten des Papyrusstengels noch ebenso wie einige aus der Zeit Amenophis' IV.[74] verhältnissmässig lang und spitzig geformte Kopfblätter; an späteren Kapitellen runden sich diese mehr und mehr ab und werden kürzer.
Dass auch bei dieser Säulenart die im Ende der 18. Dynastie modern werdenden flatternden Bänder[75] sowie die Kranz- und Gänsedecorationen[76] vorkommen, bedarf wohl kaum der Erwähnung.
Unter der 19. Dynastie drängen sich auch bei dieser Säulengattung Motive ein, welche mit der eigentlichen Structur der Säule nichts zu thun haben. Bilder, Inschriften und Reihen von Uräen bedecken nicht nur die Schäfte, auch auf den Kapitellen befinden sich zwischen die Doldenstrahlen eingestreute Namensringe (s. [Abb. 66]). Die Strahlen selbst werden abwechselnd mit den Blüthen bezw. Dolden der beiden Wappenpflanzen von Ober- und Unterägypten, Lilie und Papyrus gekrönt.
Ein Zeichen des geringen Verständnisses der Künstler jener Zeit für die structiv richtigen Formen dieser Säulengattung ist ferner darin zu sehen, dass sich im Ramesseum bereits Säulen mit offenem Papyruskapitell finden, deren Basis die sonst nur bei geschlossenen Papyrusbündelsäulen übliche Anordnung der Fussblätter zeigen.[77]