[Abbildung 62.]

[Abbildung 63.]

[Abbildung 64.]

Wenn man bei den Beispielen aus dem mittleren Reiche noch mit Sicherheit zu der Ansicht gelangen konnte, die offene Papyrussäule sei als Einzelsäule aufzufassen, so ist bei den aus dem neuen Reiche stammenden Säulen derselben Art die Entscheidung dieser Frage schwieriger. Sie haben nämlich samt und sonders das nur an Bündelsäulen verständliche Halsband, das freilich auch den sicher einfach gedachten Palmensäulen eigen ist, und ausserdem fast alle einen völlig runden Querschnitt, den man, wie wir das oben bei den geschlossenen Papyrusbündelsäulen gesehen haben, leicht als eine abgedrehte Form eines ursprünglich sculpirten Bündelquerschnitts erklären könnte. Einige gute Beispiele[73] aber zeigen trotz des kreisförmigen Querschnitts des Schaftes an drei Stellen desselben ganz schwach angedeutete vertikale Kanten. (S. [Abb. 65] links.) In diesen Fällen muss man also annehmen, dass der Architekt nur den ursprünglichen Papyrusquerschnitt, um ihn der Säulenform besser anzupassen, voller und runder gestaltet hat. Gegen die Annahme einer Bündelsäule spricht ferner das Fehlen von Zwischenstengeln und die Anordnung der Fuss- und Kopfblätter, welche sich bei unseren Säulen stets überdecken (s. [Abb. 63], [64], [66] u. s. w.) und gewissermaassen in zwei Reihen stehen, während sie bei Bündelsäulen sich nur berühren dürften, wie wir das oben bei den geschlossenen Papyrusbündelsäulen gezeigt haben. Man wird also die älteren Beispiele wohl alle für Einzelsäulen ansehen müssen, die nur aus ästhetischen Gründen das Halsband von Bündelsäulen entlehnt haben.

[Abbildung 65.]