[Abbildung 70.]

[Abbildung 71.]

Bei dieser Art von Säulen können wir auf die Beschreibung der ihr zu Grunde liegenden Pflanze und der ägyptischen Darstellungen derselben verzichten, da seit dem Bekanntwerden der ersten Säulen dieser Art es nie zweifelhaft war, welche Pflanze in dem architektonisch ausgebildeten Säulentypus gemeint war, und da auch gar keine Möglichkeit vorliegt, diese Pflanzensäule mit irgend einer anderen zu verwechseln, was bei den bisher abgehandelten eher möglich und auch leider reichlich der Fall war. Es mag daher die hier gegebene Abbildung ([Abb. 70]) und der Hinweis auf die Beschreibung der Dattelpalme „Phoenix dactylifera L.” genügen, welche sich sehr ausführlich in der Description de l'Égypte, Theil 19, S. 435 ff. und Taf. 62 findet. Des Weiteren haben wir noch eine Auswahl von abgebildeten Dattelpalmen hier hinzugefügt, welche uns die mehr oder minder stilisirte Auffassung zeigen sollen, welche die Aegypter in den verschiedenen Epochen von dieser Pflanze hatten ([Abb. 71] bis [73]). Natürlich ist die Art der Darstellung im neuen Reiche lebendiger als im mittleren, besonders mag auf die detaillirte Wiedergabe der Borke bei dem einen Beispiel aus dem neuen Reiche aufmerksam gemacht werden.

[Abbildung 72.]

Die Stilisirung der Dattelpalme für ihre Verwendung als Säule ist höchst einfach. Sie ergiebt eine Säule ohne Schwellung, ohne Fussblätter, oft auch ohne Basis. Die leicht nach aussen gebogenen Blattwedel, die mehr oder weniger durchsculpirt sind, ergeben das Kapitell, auf dem ganz simpel der kleine, unbedeutende Abakus aufruht. Merkwürdig ist nur das auch bei dieser Säulenart unter dem Kapitell angebrachte, meist fünftheilige Halsband, das hier um so weniger Sinn hat, als in keiner Epoche Palmenbündelsäulen nachweisbar sind. Man muss sich also dieses Halsband, wie wir das ja auch bei den älteren Papyrussäulen mit offenem Kapitell thun mussten, als von anderen Bündelsäulen übertragen denken.

Abbildung 72a.