Die Palmensäule, von der wir im alten Reiche nur eine zweifelhafte Spur[81] nachweisen können, scheint im mittleren schon sehr beliebt gewesen zu sein. Ausser dem klassischen aus Berscheh stammenden Beispiele aus dieser Zeit ([Abb. 74]) haben sich in Kahun[82] mehrere Kapitellreste in verschiedenen Grössen gefunden, eins davon sogar mit recht gut ausgearbeiteter Fiederung der Palmenwedel. Auch in Benihassan finden sich Darstellungen dieser Säulenart.[83]
Auch das neue Reich ist nicht gerade arm an Beispielen, die freilich meist bereits etwas graciöser ausgefallen sind als die älteren. In einem Grabe zu Gurna sehen wir einen Monolithen sich unter den Händen der Steinmetze und Polierer zu einer Palmensäule umbilden ([Abb. 75]). Im Palaste Amenophis' IV. finden wir sie öfter abgebildet, hier natürlich wieder mit den obligaten flatternden Bändern[84], mit äusserst schlanken Kapitellen[85], aber auch mit der bei Palmensäulen eigentlich ungehörigen Schwellung.[86] Reste von den Originalen dieser eben erwähnten Abbildungen haben sich bei den Petrie'schen Ausgrabungen im Palaste zu Tell-Amarna gefunden, und wir können aus diesen allerdings nur geringen Ueberbleibseln[87] einen Schluss auf die Pracht der Ausführung dieser Säulen machen. Die Fiedern der Palmenwedel waren mit grünen, rothen und blauen Pasten incrustirt, der dazwischen stehen gebliebene Kalkstein vielleicht vergoldet. Die Reconstruction in Petrie's Tell el Amarna, Taf. VI, giebt davon ein schwaches Bild, das die Schönheit der Linien und den Glanz des Materials dieser Säulen ahnen lässt. Den eleganten Palmensäulen von Tell-Amarna stehen jedoch wieder andere aus derselben Zeit oder doch nur wenig später entgegen, welche wieder fast so gedrungen sind wie die des mittleren Reiches. Es sind dies Säulen aus Soleb ([Abb. 76]) und Sesebi.[88]