»Oh?« Herr Anton Cajetan schien sich sehr zu amüsieren. »Abdanken, meinst du?«
»Wär nit genug.«
»Wie anspruchsvoll!«
Je mehr im Fürsten die Heiterkeit erwachte, um so ernster wurde der Pfarrer. »Schauet das Reich doch an! Wie ist da alles zerstückelt und zerrissen! Festen Halt hat nur das groß und stark aneinander Geschmiedete. Es gibt Stimmen, die sagen, es wär die einzige Genesung der Deutschen: ein Volk, ein Reich, ein Herr! So sag ich nit. Die Stammverschiedenheit ist wie gute Hefengärung im schweren deutschen Teig. Nur fest aneinanderschlingen müßt man sich. Und müßt das wüst ins Unkraut schießende Spötteln, das sinnlose, hochmütige, blitzdumme Aufmucken unterlassen, bei denen im Süden wider die im Norden, bei den Schwaben gegen die Sachsen, bei denen im Norden wider die im Süden. Ist denn das um Herrgottswillen so ein schweres Kunststück, von einem Bruder zu sagen: So ist er, und wie er ist, so müssen wir ihn nehmen und nutzen!«
»Laß das!« unterbrach der Fürst. »Was geht das mich an! Ich bin kuriös auf dein Rezept.«
»Wollt Ihr handeln als deutscher Fürst, so müßt Ihr aus der Landsnot, die Euch bedrückt, einen Nutzen heraushämmern für das Reich. Müßt helfen dazu, ein Fürbild der Verträglichkeit zu geben. Müßt helfen dazu, daß ein gewichtiger Teil im Reich noch standhafter ins Wachsen kommt.«
»Ich verstehe deine sibyllinische Weisheit nicht.« Der sarkastische Ton verriet, daß Herr Anton Cajetan doch schon ein bißchen was zu ahnen begann. Es gewitterte sehr merklich in seinen schwarzgefärbten Augenbrauen.
»Beugt sich in Euch der Fürst vor dem Priester, so macht Ihr unser Völkl elend, und Euer Land verblutet. Stellt Ihr den Fürsten über den Priester, laßt Ihr Euch das Landwohl nit verpanschen von der berühmten Konsequenz und macht Ihr Frieden mit den Siebentausend, so fallt Ihr in Streit und Hader mit allen Hitzköpfen unseres geweihten Standes. Herr! Da gibt's nur einen einzigen Ausweg.«
Die bleichen Lippen des Fürsten wurden schmal. »Und welchen?«
»Erlöst Euch selber und Euer Land aus allem Zwist, stärket durch Euer Bröckl Fürstenherrlichkeit ein gesundes Land im Reich und bindet den Berchtesgadnischen Sehnsuchtswinkel an das feste Bayern. Da seid Ihr als Fürst, wie als Priester, ledig aller Not und habt den Ärger und die giftigen Schulden los. Der neue Landsherr wird mit reichen Mitteln den stockenden Blutsaft unseres Völkls wieder in Gang bringen und wird sich als weltlicher Fürst mit den Siebentausend so leicht verständigen, wie es für Euch als fürstlichen Priester unmöglich ist.«