Verdrossen murrte einer von den Dragonern: »So ein luthrischer Siach ist er.«
»Wat?« Eine rasche Wendung gegen den Geheimrat: »Est-ce que vous avez compris? Moi pas.«
Danckelmann verdolmetschte: »Il prétend que le chasseur est un de ces infâmes luthériens.«
»Oh?« Der junge Oberst lächelte. »Sonst hat er nischt verschuldet?«
»Nit um ein Härlhaar!« sagte der Fürstpröpstliche. »Ist allweil der Beste von unserer Jägerei gewesen.«
Gegen den linken Dragoner hinreitend, befahl der junge Oberst: »Er! Vom Gaul herunter!« Weil der Dragoner zögerte, wurde die Stimme schärfer. »Kennt er keenen Offizier nich? Runter vom Gaul! Den Mann da vom Strick!« Jetzt stieg der Dragoner aus dem Sattel; während er den Strick vom Gaul und von Leupolts Händen nestelte, brummte er immer vor sich hin, nicht freundlich. Der junge Oberst lachte. »Na, Kerl, er kann sich seinem Herrgott rekompensieren, daß er keen Preuße nich is. Sonst säß er morgen im verdienten Loch.«
Als Leupolt frei war, hob er die leuchtenden Augen. »Vergeltsgott, Herr! Man spürt, daß der Helfer kommen ist.«
»Zeig er mich seine Hände!« Sich niederbeugend, betrachtete der Oberst neugierig die weißen Narbenbänder, die sich um Leupolts Handgelenke zogen. Man sah nur die eingewürgten Striemen, kein Blut. Wieder ein heiteres Lachen: »Det luthrische Leder is dauerhaft. Kann er reiten? So steig er uff den leeren Gaul! Und komm er an meine Seite.« Der junge Offizier in der Mitte, Danckelmann zur Rechten, der hutlose Leupolt Raurisser zur Linken, so ritten die Drei davon. Immer schwatzte der Oberst mit dem Geheimrat. Plötzlich wandte er das fröhliche Gesicht dem Jäger zu: »Wie lange hat er so springen jemußt?«
»Vom Hallturm bis zu Euch, Herr!«
»Parbleu!« Ein drolliges Staunen war in den großen Stahlaugen. »Mir jeht die Puste aus, wenn ick hundert Sprünge mache. Wat muß er Luft in die Lungen haben und Schmalz in die Beene.« Französisch zu Danckelmann: »Das wird ein Preuße, um den der Ritt sich gelohnt hat.« Der Lachende verstummte, seine Augen glitten staunend ins Weite. Hinter dem Untersberg und seinen vorgelagerten Waldnasen hatte der hohe Göhl sich hervorgeschoben, die ganze herrliche Silberkette bis zum Steinernen Meer. Und ihr zu Füßen der keimende Frühling. »Wie schön ist das!« In enthusiastischem Entzücken, mit einem Wirbelsturm von Worten, schüttete der Begeisterte alle Freude einer andächtigen Knabenseele aus sich heraus. Und griff hinüber zum Arm des Jägers, mit einem Ton, der etwas Beleidigendes hatte: »Kerl, sonne Heimat verläßt er?«