Sie hörte den Schrei, setzte den Karren nieder und blieb unbeweglich.

Nun stand er vor ihr, heiß atmend vom jagenden Lauf, mit Augen, die wie Sterne glänzten. Er streckte die Hände und wagte sein Glück nicht zu berühren. Nach der ersten glühenden Scham tat Luisa einen frohen Atemzug. Eine wundersame Ruhe überkam ihr Wesen. Sie sah zu ihm hinauf. »Willst du mich nehmen, Leupi? Ich kann nit leben ohne dich. Gott wird's verstehen. Der hat dich geschaffen. Da muß er auch wissen, wie du bist.«

Er stammelte: »Jesus!« Und wagte zuerst nur ihre Hand zu fassen. Als er den Druck ihrer Finger fühlte, kam's wie ein lachender Taumel über ihn.

Der spanische Hut verlor seinen graden Sitz. Und erst eine sehr beträchtliche Weile später konnte Luisa sagen: »Evangelisch kann ich nit werden. Daß ich im Herzen bei meiner Wahrheit bleib? Tust du mir das verstatten?«

»Bleib, wie du bist, und allweil wirst du die Richtige sein.« Droben auf der Straßenhöhe riefen viele Stimmen seinen Namen. »Die brauchen mich. Komm, Bräutl!« Er wollte die Gabel des Schubkarrens fassen, richtete sich wieder auf und fragte in Sorge: »Dein Vater, Luisli? Kann er denn schnaufen ohne dich? Tut er mir denn mein Glück vergönnen?«

Sie sagte gläubig: »Der kommt uns nach. Heut hat er bekennen müssen und ist eingeschrieben.«

Ein heißer, frohseliger Jauchzer. Und der geduldige Schubkarren mußte noch eine Weile rasten. Hat man sein Mädel um den Hals, so kann man keine Karrengabel in den Händen haben. Und als das Rädl wieder lief, blieb Leupolt stumm. Weil er sinnen mußte. Nun ein heiteres Auflachen. Hundert Schritte vor dem ersten Exulantenwagen stellte er den Karren nieder, nahm den grünen Mantel vom Koffer, schüttelte den Staub davon und faßte die Hand seines Glückes. »Komm! Ich such dir ein feines Plätzl.« Zwischen den Stauden fand er eines. »Schau nur, wie alles blüht um dich herum! Da mußt du warten ein Vaterunser lang.« Er sprang davon, und der Karren mußte sausen, obwohl es aufwärts ging.

Auf dem Rücken eine Sesselkraxe, die er von einem Bauer geborgt hatte, kam er wieder. »Schatzl? Gelt, du hast keinen Wanderschein?«

Sie schüttelte den Kopf. »Weil ich nur dich hab! Mir ist's genug.«

»Aber den Grenzmusketieren nit!« Er konnte nicht ernst werden, immer mußte er lachen in seiner Freude. »Sie täten dich ohne Loskauf, Paß und Polizeiverlaub nit über den Schlagbaum lassen. Schatz, es geht nimmer anders, ich muß dich hinüberschwärzen in unser Glück. Aber deine Füßlen sollen keinen Weg nit machen, der ein Unrecht ist. Hab ich die Freud, so muß ich auch die Schuld haben.« Er ließ sich niederfallen auf die Knie und flüsterte selig: »Komm! Steig auf! Und leg deinen Mantel auf die Krax! Da hast du es linder.«