Ein scheues Zögern, ein leises Auflachen.

Leicht erhob sich Leupolt mit seiner lieben Last. In der Rechten den Stecken, die Linke nach oben gestreckt als Halt für Luisas Hände, so schritt er flink zwischen den Stauden hin, auf versteckten Wegen, wie nur die Jäger sie kennen. Im dämmrigen Fichtenwalde verschwand er.

Eine Weile später ging die Sonne hinunter. Es finsterte schon und die Sterne glänzten, als Leupolt wieder kam, mit der leeren Kraxe auf dem Rücken.

Nun war's lebendig in der Karrenzeile. An der Spitze des Zuges tönten drei Rufe eines Alphorns. Dann fingen die Räder zu knattern an, und die lange Wagenreihe kletterte in der Dunkelheit über den Rest der Höhe hinauf zur fürstpröpstlichen Grenze. Kleine Lichter – wie Sterne, die auf die Erde gefallen – waren ausgestreut über die ganze Länge des Zuges: die Wagenlaternen, und in zwei Reihen die Kienlichter, die von den Jungbuben getragen wurden.

Das Paßgeschäft beim Hallturm währte vier Stunden lang. Die Grenzmusketiere nahmen es genau. Es war schon über Mitternacht, als hinter dem Scharwagen mit knarrender Feierlichkeit der berchtesgadnische Schlagbaum herunterfiel. Außerhalb der Grenze ordnete Leupolt den Zug. Und als die Lichterkette sich in Bewegung setzte, sprang er durch den finsteren Hochwald davon. Bei den alten, zerstörten Festungswerken der bayerischen Grenzhut stand er wieder am Saum der Straße. Nicht allein.

Nun schritt er dem Zuge voraus, den Arm um Luisas Schultern geschlungen. Sie hatte den Hut heruntergenommen und trug ihn am Gürtel.

»Luisli? Siehst du den schönen Stern da draußen? Das ist der Nordstern. Sell müssen wir hin. Dort ist das Land des gütigen Helfers.«

Sie nickte stumm und schmiegte sich enger an seine Brust. Beugte er sich ein bißchen nieder, so fanden seine Lippen ihr lindes Haar. Und hob sie das Gesicht, so sah er beim Sternschein einen Glanz in ihren Augen, ohne die Tränen zu sehen, die ihr von den Wimpern fielen. Die einzige, die nasse Wangen hatte, war sie nicht. Viele weinten in der Finsternis; die Frauen und Mädchen, die auf den Karren saßen; und alle Mütter, auf deren Schoß und an deren Brüsten die müden Kinder schliefen oder die furchtsamen wachten.

Ein Rauschen in der Nacht. Man wußte nicht, wo. Bald klang es ferne, bald wieder nah.

Die Viere, die hinter Leupolt an der Spitze des Zuges schritten, fingen zu singen an. Die Stimmen der Wandernden fielen ein. Sie sangen das Stablied der Evangelischen, von dem man erzählte: daß es der gadnische Bergmann Josef Schaitberger ersonnen hätte, den man vor vierzig Jahren aus der Heimat trieb.