»Wenn du willst noch heut am Abend. Der Fischer hat die neue Angelgerte für dich schon fertig.«

»Ach, Lo, das wird herrlich, herrlich!«

»Vier Tage bleiben wir jetzt zu Hause bei Muttl, und dann darfst du drei Tage mit mir — rate, wohin?«

»Lo? Zum Sebensee?«

»Erraten! Ja!«

Die erste Regung des Knaben war stürmischer Jubel. Dann wurde er still, und die Wange an den Arm der Schwester schmiegend, flüsterte er: »Ach, Lo! Da draußen sein, und an den Vater denken, wenn ich seine Blumen sehe und seinen Baum singen höre — ich kann's nicht erwarten, gar nicht erwarten! Wie schön das sein wird!« Und hastig, als müßte er für solche Freude danken, sagte er: »Lo! Da nehm ich meine Bücher mit. Da draußen, weißt du, da muß ich lernen.«

Zärtlich drückte ihn die Schwester an sich, und wieder gingen sie schweigend am blumigen Saum der Straße hin. Als sie zu den ersten Häusern kamen, wurde ihr Gang immer rascher. Wenige Schritte noch, und sie hatten ihr Haus erreicht.

Das Gold des Nachmittages lag über dem Schieferdach, die weißen Tauben flogen, die Stare zwitscherten, und die sonnige Luft war erfüllt vom Wohlgeruch der Blumen.


Zehntes Kapitel