Über den schattenschwarzen Bergwald sank schon die Sonne hinunter, als Ettingen mit dem Förster wieder im Jagdhaus eintraf.

Pepperl, der auf der Schwelle des Försterhäuschens hockte, erhob sich, als er die beiden kommen sah, und schüttelte die Füße, als wären sie ihm eingeschlafen. Das Viertelstündchen ausgenommen, das er um die Mittagszeit in der fürstlichen Küche verbrachte, hatte er vom Morgen bis zum Abend auf seinem Lauerposten ausgehalten, mit dem Geheimnis von Woodcastle auf den Knien. In diesen sieben Stunden war er bei der Lektüre nur um ein einziges Kapitel vorwärtsgekommen. Aber der Miene, mit der er die roten Hefte jetzt in die Schublade warf, konnte man es ansehen, daß er mit dem Ergebnis des Tages nicht unzufrieden war. Nicht das geringste war geschehen, was die »Verantwortigung« seiner moralischen Seele belastet hätte. Wohl hatte Martin ein paar verdächtige Spaziergänge im Umkreis der Sennhütte unternommen, aber ein freundlicher Zuruf des Praxmaler-Pepperl hatte den Kammerdiener immer wieder zur Umkehr nach dem Fürstenhaus veranlaßt. Drum konnte Pepperl, als der Förster in die Hütte trat, seinen Vorgesetzten in bester Laune empfangen. »Grüß Gott, Herr Förstner! Schon wieder daheim? Dös is recht! Jetzt kann ich grad noch a bißl Dienst machen bis auf d' Nacht. Jetzt is ja der Fürst wieder da!«

Der Förster schien den Zusammenhang zwischen Pepperls Diensteifer und der Heimkehr des Fürsten nicht recht zu begreifen und guckte verwundert dem Jäger nach, der, einen Ländler pfeifend, seine Büchse nahm und flink hinauswanderte in den schattigen Wald.—

Zwei Tage vergingen. Ettingen hatte keine Lust, eine Pirsche zu unternehmen. Er wollte ruhen, wie er sagte. Das hinderte nicht, daß er an jedem Morgen zeitig munter war und einsam einen mehrstündigen Schlendergang durch den Bergwald machte. Am Nachmittag saß er mit einem Buch im Wald, und die Abendstunden verplauderte er mit den Jägern.

Auch der Almhütte stattete er mit dem Förster einen Besuch ab und saß eine Stunde lang bei der Sennerin, die ihm ihre Arbeit schildern mußte. Das gedrückte Wesen des Mädels fiel ihm auf. »Haben Sie eine Sorge, Burgi?«

»Ich? Und Sorgen? Gott bewahr! 's Vieh is gsund, was will ich denn mehr?«

»Sie sind nicht heiter. Wenn ich Ihnen helfen kann, tu ich es gern. Haben Sie etwas auf dem Herzen?«

Sie wurde rot bis unter die Haare, aber gleichmütig sagte sie: »Ich? Auf'm Herzen? Den Janker! Sonst nix! Aber der Mensch kann net allweil lustige Fasnacht halten. Diemal muß er auch sein sinnierlichen Tag haben. So ein' hab ich halt heut grad, weiß selber net, warum!« —

Am dritten Morgen unternahm Ettingen mit dem Förster einen Pirschgang auf Gemsen.

Pepperl, der zwei Tage strengen Dienst gemacht hatte, blieb an diesem Morgen zu Hause. »Man kann net wissen, ob net d' Jungfer Köchin oder der Herr Martin wen braucht.« Und auf der Hüttenschwelle hielt er in brennender Sonne mit dem Geheimnis von Woodcastle bis Mittag aus. Da kam der Postbote. Den fragte er: »He! Du! Was is denn mit'm Brenntlinger? Hast ihm die Botschaft ausgricht'?«