Gustl, der unter die Tür getreten war, fuhr plötzlich erschrocken zurück. Der erste Blitz war in das finstere Seetal heruntergefahren. Man hatte keinen Strahl gesehen, aber der Nebel, den der Sturm an der Hütte vorüberjagte, war wie in lohendes Feuer verwandelt, und dazu rasselte ein Donnerschlag, als wäre von den Bergen eine Felswand niedergebrochen.
Lo trat unter die Tür und faßte wortlos die Hand des Bruders.
Wieder flammte ein Blitz, und schwer begann der Regen zu fallen. Plätschernd ging von allen Kanten des Daches die Traufe nieder, und mit dem Rauschen des Regens mischte sich das Brausen des wachsenden Sturmes. Da erwachte auch in Gustl eine Sorge. Er hatte an die Mutter gedacht und fragte: »Lo? Meinst du, daß es draußen bei uns in Leutasch auch so schlimm ist?«
»Nein.«
Der Sturmwind peitschte die Wasserfäden der Traufe bis auf die Schwelle der Hüttentür.
»Komm, Lo, wir müssen die Tür schließen. Dein Kleid wird naß.«
Sie schwieg und blieb auf der Schwelle stehen.
»Aber, Lo, was hast du denn nur? Ach, du, wie deine Hand zittert! Lo?«
Ohne zu antworten, drückte sie den Knaben an sich. Plötzlich fuhr sie lauschend auf, sprang in den Regen hinans und stammelte: »Sie kommen!«