»Gott sei Dank, daß der jetzt unterstehen kann bei uns!«

Ein Blitz durchleuchtete grell den Nebel, als die beiden Männer in den Garten traten. Die Helle blendete die Augen, und in der schwarzen Finsternis, die ihr folgte, verlor Ettingen den Weg und strauchelte über die Rabatte eines Beetes. Aber da hatte schon eine Hand die seine gefaßt und zog ihn unter das vorspringende Dach.

»Ihre Hand, Fräulein, führt gut. Ich danke Ihnen. Schlimm wär's ja nicht geworden, ich wäre nur in Blumen gefallen.«

»Aber in nasse«, meinte sie heiter, »und ich glaube, Sie könnten schon zufrieden sein mit dem Wasser, das von Ihnen herunterläuft?«

»Das ist nur der Mantel!« Lachend befühlte Ettingen unter dem triefenden Loden seine Kleider. »Wirklich, unter dem Mantel bin ich leidlich trocken. Aber lange hätt es nicht mehr dauern dürfen. Dann wär's durchgegangen.«

»Ja, heut hätt's uns schiech derwischen können!« sagte Pepperl, während er sich schüttelte, daß die Tropfen wie ein Sprühregen um ihn herflogen. Er war weit übler weggekommen als Ettingen, denn er trug um die Schulter nur ein dünnes Radmäntelchen, mit dem er mehr die Büchse seines Jagdherrn als sich selber vor dem gießenden Regen geschützt hatte. »Teufi, Teufi, Teufi! Dös is aber schon 's reine Glück heut —« Ein krachender Donnerschlag erstickte, was Pepperl noch weiter sagte. Er stellte die Büchse an die Hüttenwand, half seinen Herrn aus dem klatschenden Loden wickeln und hängte die beiden Mäntel an das Efeuspalier, damit von dem Zeug die ärgste Nässe abtropfen konnte.

Ein rauschender Windstoß fegte unter das Dach herein und machte in der Hütte die Lampe flackern.

»So kommen Sie doch, ich bitte!« mahnte Lo, während sie die Tür geöffnet hielt. »Im Mantel muß Ihnen warm geworden sein. Kommen Sie! Und eine Tasse Tee darf ich Ihnen doch anbieten?«

»Ja, Fräulein! Und wenn Sie noch was dazu haben, nehm ich es auch. Ich habe heut eine leise Ahnung von dem, was man einen Wolfshunger nennt.« Er reichte ihr die Hand, mit frohen, glänzenden Augen, und trat in die Stube.

Groß war sie nicht, diese Stube im Sebenhäuschen. Aber gemütlich! In der einen Ecke stand das mit einer weißen Decke verhangene Bett, in der anderen ein alter Schlafdiwan, der schon zum Nachtlager für Gustl gerichtet war; darüber ein kleiner Wandschrank; und in der dritten Ecke der gemauerte Herd. Außer einer niederen Truhe und einem Rahmen für das Geschirr bestand die ganze übrige Einrichtung aus zwei Holzstühlen und einem Tisch, der in der Mitte des Stübchens, unter der brennenden Hängelampe, schon zum Tee gedeckt war. Neben dem singenden Teekessel schmückte eine Borkenvase mit Edelrosen den weißen Tisch. Überall an den hübsch getäfelten Wänden waren große Waldschwämme und Rindentrichter mit Blumen-und Gräsersträußen angebracht, und die Ecken waren geziert mit Latschenzweigen, deren kräftiger Harzduft den ganzen Raum erfüllte.