Martin kam aus der Sennhütte gelaufen, mit dunkelrotem Gesicht, als hätt' es dort unten mit dem »unbehüteten Madl« eine Szene gegeben, die nicht ganz nach seinen Wünschen ausgefallen war. Verwundert musterte er seinen Herrn und das schöne Mädchen.
»Schnell, Martin! Hinauf! Und richte das Bett im Grafenzimmer!«
Erschrocken verfärbte sich der Lakai; doch wortlos eilte er ins Haus.
Im Flur kam Martin seinem Herrn über die halbe Treppe entgegen und stotterte: »Ich bitte um Vergebung, Durchlaucht, das Zimmer ist abgesperrt, und im Augenblick weiß ich nicht, wo die Leute den Schlüssel haben.«
»Aber Mensch! So mache doch mein Zimmer auf! Siehst du denn nicht —«
Martin rannte, und als sein Herr mit dem Knaben in das sonnige, weiße Zimmer trat, war das Bett schon abgedeckt. Während Lo dem Bruder half, sich zu entkleiden, brachte Ettingen das ganze Haus in Aufruhr. Der Lakai, die Köchin und die Küchenmagd, alles mußte laufen und bringen: Wasser, Eis, Verbandzeug, Kognak, den ganzen Inhalt der Hausapotheke.
Als Lo den verletzten Fuß des Knaben untersucht hatte, atmete sie auf. Der Knöchel war geschwollen und glühte, aber die Sache war unbedenklich: eine Bänderzerrung, die, obwohl sie schmerzhaft war, in wenigen Tagen wieder gut sein konnte. Ein paar Stunden Ruhe, meinte Lo, und Hansi könnte den Knaben heimbringen, ohne daß sich das Übel verschlimmern würde.
»Jetzt muß ich dir ein wenig wehtun, Bubi! Aber du wirst sehen, das hilft!«
»Ja, Lo, mach nur, was du meinst!«
Sie begann die Geschwulst zu massieren. So schmerzhaft das auch war, der Junge überwand es ohne einen Laut und ärgerte sich, weil ihm wider Willen die Tränen in die Augen kamen. Dann wurde der Knöchel bandagiert, und drüber kam der Eisumschlag. Die Schürfwunden im Gesicht und an den Händen wurden mit Karbollösung gereinigt und mit Pflästerchen verklebt.