Im gleichen Augenblick jagte eine dicke Rauchwolke an der Hütte vorüber. Ein Schein durchglomm den wirbelnden Nebel. Überall im Tal begannen die Glocken der Almtiere zu läuten, überall dröhnte und röhrte ihr Gebrüll, überall hörte man das Rollen der Steine, die der Schritt der Rinder auf den steilen Gehängen löste. Jäh war das ganze Tal erfüllt von unheimlichem Leben. Und da erkannte Lo, was die Herde flüchten machte. »Feuer im Wald! Die armen Tiere!« Daß auch ihr eigenes Leben bedroht sein könnte, daran schien sie nicht zu denken. Ohne Erregung, wenn auch mit fliegender Hast, eilte sie in die Stube und holte eine schon halbverbrauchte Pechfackel. Damals, als diese Fackel gebrannt hatte, das war auch eine ernste Nacht gewesen. Eine Nebelnacht im Juni. Lo hatte die Rufe eines verstiegenen Touristen gehört und hatte den Verirrten aus der Tejawand heruntergeholt und zur Sebener Almhütte geführt.

Die brennende Fackel senkend, damit das Harz sich heller entzünden möchte, trat sie aus der Hütte. Was den Nebel so hell durchleuchtete? War es die Flamme der Fackel oder das wachsende Feuer dort unten, das man rauschen hörte wie heranziehenden Sturm?

Sie wollte zur Gartentür. Da taumelte ihr ein Mensch entgegen. Erst als er vor ihr stand, erkannte sie ihn.

»Mazegger!«

Lallend stürzte er vor ihr nieder und klammerte sich an ihr Kleid. Auch ihr Anblick konnte in ihm nicht mehr erwecken, was ihn zum Wahnsinn dieser Tat getrieben hatte. Seine Eifersucht und seine Liebe, alles, was er erwartet hatte von dem Gewaltstreich dieser Nacht, alles war erloschen in ihm. In ratloser Angst und in der Verstörtheit seiner Sinne umklammerte er das Mädchen und keuchte: »Im Sebenwald ist alles ein Feuer! Wir müssen verbrennen, du und ich, ersticken im Rauch!« Er drückte zitternd das Gesicht in die Falten ihres Kleides.

Lo war bleich geworden. Aber sie wich nicht zurück vor ihm. Was zwischen ihr und diesem Menschen lag, das war vergessen beim Anblick der lallenden Angst, die sich zu ihren Füßen krümmte. »Mazegger! Sind Sie denn ein Mann? Wie können Sie sich vom Schreck nur so verstören lassen?« Sie versuchte ihn aufzurichten.

Er war wie Blei und blieb auf den Knien liegen, immer nur mit dem einen Wort: »Verbrennen, verbrennen —«

»Seien Sie doch vernünftig! Man verbrennt nicht gleich, weil Feuer im Wald ist. Stehen Sie auf!«

Er wollte sich erheben und taumelte auf die Schwelle hin.