»Wie soll ich Ihnen diese Stunde danken!«

»Was? Danken? Dös wär mir 's richtige: auf die Fünfhundert und auf'n Oberjager auffi! Aber da hab ich 's Wasser! Brauchen S' a Tüchl! Na, um Gottswillen, wie 's Fräuln ausschaut!«

Erst bei diesem Wort des Jägers bekam Ettingen Augen, um zu sehen. »Ach!« Das war ein Laut, als würde ihm das Herz zerdrückt. Mit zitternden Armen preßte er die Ohnmächtige an sich, schmiegte ihren Kopf an seine Brust und streichelte ihr das Haar und die Wange. Wie müd und erschöpft ihr schönes Antlitz war, wie entstellt von Rußflecken und vom Staub der Asche! »Und ihre lieben Hände!« Sie waren grau vom Steinsand, wund von Rissen, fast alle Nägel gebrochen und mit Blut unterlaufen.

Wie ein Schwindel überkam es ihn, als er sein Tuch in das Wasser tauchte, das ihm der Jäger hinbot. In scheuer Zärtlichkeit blies er die Asche aus Lolos Haar, wusch ihr den Ruß vom Gesicht und streifte ihr immer wieder das nasse Tuch über Stirn und Augen. Sie erwachte nicht, doch ihr Atem begann sich zu beleben. Er wusch ihr die Hände, küßte jede Wunde. Und während der Jäger fortlief, um frisches Wasser zu holen, nahm er sie wieder in seine Arme.

Ein stockender Atemzug erschütterte ihre Brust. Sie schlug die Lider auf.

»Lo!«

Sie sah das Gesicht, das sich in Glück und Sorge über das ihre beugte, fühlte schauernd den Druck der Arme, die sie umschlungen hielten, und trank den Blick der Liebe, der auf ihr ruhte. Dann lächelte sie müd und schloß die Augen wieder, als wüßte sie: das ist ein Traum, der verschwinden muß, wenn ich wache und mit offenen Augen sehe!

»Lo! Kennst du mich nicht? So sieh mich doch an!«

Sie öffnete die Lider.

»Lo! Meine liebe, gute, kleine Lo!«