Da hörte sie es wieder: das Wort ihres Vaters! Mit dem gleichen Ton der Liebe! Nur süßer, zärtlicher noch, durchweht von einer Glut, die hinüberschlug in ihr Herz und ihr das Blut in die bleichen Wangen trieb. Als sähe sie ein Wunder, dessen Wahrheit sie fühlte und an das sie doch nicht glauben konnte, so hob sie zögernd die Arme und faßte scheu mit beiden Händen die Wangen des geliebten Mannes. Ein Zittern rann durch ihren Körper. »Du!« Und nun schlang sie die Arme um seinen Hals, stark und heiß, und hing an seinen Lippen, als tränke sie neues Leben aus seinem Kuß. Dann schloß sie mit leisem Lächeln die Augen und sank an seine Schulter hin, als wollte sie schlummern.

Er streichelte ihr Haar. »Du Starke, du Mutige du! Was hast du überkämpft in diesen grauenvollen Stunden! Was mußt du erlebt haben in dieser entsetzlichen Nacht!«

Ohne die Augen zu öffnen, flüsterte sie: »Ich weiß es nimmer — ich weiß nur, was jetzt ist — und das ist schön!«

»Und ich schlief in dieser Nacht und träumte von meinem Glück, während du —« Er konnte nicht weitersprechen. Der Gedanke an alle Gefahr, die in dieser Nacht auf jedem Schritt mit ihr gegangen, machte ihn zittern bis ins Herz. »Ich habe nur dieses Letzte gesehen. Und nicht einmal helfen hab ich dir können! Das sehen zu müssen, so hilflos! Jeder Blick war wie ein Tod für mich. Am Morgen, als ich mein Haus verließ, um dich zu suchen, da wußt ich, daß ich dich liebe. Aber erst in diesen Stunden der Angst und Verzweiflung hab ich's empfunden, wieviel du mir bist, und daß ich nicht leben könnte ohne dich!«

Sie lauschte seinen Worten wie der Dürstende dem Quell, den er rauschen hört.

Daß sie so stumm war, das weckte seine Sorge wieder. »Lo? Wie fühlst du dich? Ist dir wohl?«

Sie lächelte und atmete tief.

»Warum siehst du mich nicht an?«

Da schlug sie die leuchtenden Augen zu ihm auf.