Der einsame Koch — an Stelle der blessierten Lederhose trug er ein graues Beinkleid von wahrhaft vorsintflutlichem Schnitt, mit großen Buckeln an den Knien — hatte den Schmarrenteig angerührt und ließ ihn aus der Holzschüssel in das prasselnde Schmalz rinnen.

Nachdem er gespeist und das Geschirr wieder säuberlich gespült hatte, nahm er das Geheimnis von Woodcastle aus der Schublade und begann zu lesen. Recht zum Übel für seine ärgerliche Stimmung kam er da gerade an das Kapitel, in dem die Feinde Lord Fitzgeralds, über ihren gelungenen Schurkenstreich triumphierend, sich zu einem üppigen Mahl zusammenfanden, bei dem die Austern mit Chablis, der Lachs mit Burgunder und die gebratenen Fasanen mit Champagner begossen wurden. Den Leser empörte diese ungerechte Verteilung der irdischen Freuden: während der gute, schuldlose Lord im tiefsten Kerker »lechzete«, inzwischen schwelgten und schlemmten die »ruchlosen Buben« auf seine Kosten!

»Himmelkreuzteufel noch amal! Da sollt doch der liebe Herrgott dreinfahren mit'm Dreschflegel. Müssen denn die schlechten Kerln allweil obenauf sein und die Guten allweil unterliegen? Meiner Seel! Da könnt ein' 's Leben verdrießen!« Das Geheimnis von Woodcastle sauste wieder in einen finsteren Winkel der Schublade.

Seufzend erhob sich der Förster, nahm die zerrissene Lederhose vom Zapfenbrett und betrachtete den Schaden. »Flicken wir s' halt wieder!« Aus einer Truhe, die unter dem Bett stand, holte er sein »Nahtereischachterl« hervor, und da es im Stübchen schon dämmerig wurde, setzte er sich mit seiner Flickerei auf die Schwelle der Hüttentür.

Es wurde ihm schon heiß, noch ehe die Arbeit recht begonnen hatte. Auch die gröbste Nadel, die er besaß, war zu »gring« für seine dicken Finger; er konnte sie kaum fassen und halten; der grobe Zwirn wollte nicht durch die Öse gleiten und dröselte sich auf; und weil der Förster den doppelt genommenen Faden zu stark gewichst hatte, glitschte er ihm beim Schlingen des Knotens immer wieder aus. Endlich war er soweit, um den ersten Stich zu machen. Da stach er sich auch gleich in den Finger. Seufzend leckte er den kleinen Blutstropfen ab, hielt den Finger übers Knie und klopfte ihn mit der Faust. Dann nähte er weiter. Nach jedem Stich zog er so grimmig an, daß der Faden sich spannte wie eine Saite. Dabei wurde die Naht so pfriemig wie ein schlecht geheilter Studentenschmiß.

Als die harte Arbeit mit Not und Seufzen vollendet war, begann es schon zu dunkeln. Da sah er am Fenster der Jägerhütte den Lampenschein aufblinken. »So, Bürscherl, bist daheim? Jetzt kommst mir aber grad in Wurf!« Er trug die geflickte Hose und das Nähzeug in die Stube und ging hinüber zum Jägerhaus.

Mazegger kniete vor dem eisernen Sparherd, um Feuer anzuschüren.

»Du? Wo warst denn heut?«

Zögernd erhob sich der Jäger. Er schien es gleich zu merken, daß sich ein Gewitter über ihm entladen sollte. »Der Kammerdiener hat mir einen Brief übergeben. Den hab ich nach Leutasch getragen.«

»So? Da kannst freilich aufs Wild net aufgschaut haben. Aber was hast denn gestern gsehen? Auf der Abendpirsch?«