»Wirklich, ja, das Brennen beginnt schon nachzulassen. Ich danke Ihnen herzlich für den Dienst, den Sie mir geleistet haben. Und da ich bereits den Namen meines freundlichen Arztes kenne —«

»Sie kennen meinen Namen?«

»Zur Hälfte hab ich ihn hier auf dem Baum gelesen. Dann kam der Bub und grüßte Sie: Fräulein Petri! Nun darf sich wohl auch der dankbare Patient Ihnen vorstellen? Ich heiße Ettingen.«

Sie nickte flüchtig, als wäre sein Name für sie etwas Nebensächliches. »Wenn Ihnen nur geholfen ist! Aber Dank? Nein! Wer in den Bergen lebt, ist das gewöhnt, daß man hurtig läuft, wenn der Nachbar ruft: Ich brauche dich! Nun gar in solcher Einsamkeit wie hier. Da sind die Menschen, die sich begegnen, aufeinander angewiesen.« Sie begann in der Schatulle Ordnung zu machen. »Mein kleines Kästchen hat sich schon oft auftun müssen. Nicht nur für einen leidenden Touristen wie heute. Viel häufiger noch für die Sennleute.«

Ettingen hatte sich wieder auf die Bank gesetzt. »Und da leben Sie hier so allein den ganzen Sommer?«

»Den ganzen Sommer nicht, aber doch jede Woche ein paar Tage.«

»Aber in diesen paar Tagen sind Sie doch immer allein?«

»Heuer, ja, heuer bin ich allein.« Sie beugte sich tiefer über die Schatulle.

»Daß Ihnen die Tage nicht zu lang werden, das begreif ich. Es ist so schön hier. Jede Stunde muß Ihnen eine Fülle tiefer Eindrücke bringen. Aber so einsam hier auszuhalten, dazu gehört für ein junges Mädchen ein seltener Mut.«