Lautlos preßte Modei den Arm vor die Augen und ließ ihn wieder fallen, von einem Schauer gerüttelt. „Ich muß in d’ Hütten eini. Mein Kindl muß ich anschaun – oder ich halt’s nimmer aus.“ Sie wandte sich, blieb stehen, hob lauschend den Kopf und sah hinüber zu der Felshöhle, die nicht weit von der Hütte aus dichten Almrosenbüschen aufstieg.
Auch Lenzls Augen spähten da hinüber – Augen, in denen ein wildes Feuer brannte.
Droben, über dem Rand der Felsen, klang es wie flüchtige Sprünge auf lockerem Gestein. Nun kam es näher. Jetzt tauchte ein Kopf aus den Stauden.
„Blasi!“ schrie das Mädel erblassend.
Wie der Wilddieb herunterkam über die Wand, in der einen Hand die Büchse, mit der anderen da und dort nach einer Stütze haschend – das war kein Niedersteigen, es war wie ein Fallen und Stürzen. Kies und Erdstücke kollerten hinter ihm her, und pfeifende Steine schlugen in die Büsche. Und wie er aussah! An Brust und Armen war das Hemd zerrissen, und wo die Fetzen niederhingen, war die Haut bedeckt von blutigen Schrunden. Die Haare klebten ihm naß und wirr an den Schläfen, und das erschöpfte, mauerbleiche Gesicht war übergossen von Schweiß.
Keuchend wankte er auf die Hütte zu. „Modei! Verstecken mußt mich! Der Jager is hinter mir!“
Unbeweglich, mit verstörtem Gesicht, mit schlaff hängenden Armen, stand das Mädel gegen den Pfosten der Hüttentür gelehnt. Und neben ihr schrillte in grausamer Freude die Stimme des Bruders: „Haben s’ dich amal! So hat’s kommen müssen! Hörst es rumpeln über deim Haardach? Tanzboden! Tanzboden, heut kriegst an Arbet!“ Unter irrem Lachen krampfte Lenzl die Faust um den Arm der Schwester. „Lisei! Her da zu mir! Dir laß ich nix gschehen –“ Seine erwachenden Augen irrten.
Atemlos hetzte Blasi über die Hüttenstufen herauf. „Mit jedem Schnaufer geht’s um mein’ Hals! Ich hab bloß noch a Schrotpatron in der Büx –“ Sein Blick huschte zum Wald hinüber. „Und der ander hat a Kugel im Lauf.“ Er taumelte zu dem aufgebeugten Holz hinüber und stieß die Büchse hinter die Scheiterbeuge. „Modei! Verstecken mußt mich!“
Sie sagte tonlos: „Ich wüßt net, wo.“
„Bei dir im Bett. Da sucht mich keiner.“ Er wollte zur Hüttentür. Bevor er die Schwelle erreichte, sprang ihm Lenzl in den Weg und stieß ihn mit den Fäusten zurück. „Langsam a bißl! Solang ich da bin –“