„Du Narr! Meinst ebba, du zählst?“ Mit der Linken packte Blasi den Alten am Genick, mit der Rechten preßte er ihm den Mund zu und stieß ihn rücklings in die Hüttenstube, in deren Dunkel die lallenden Laute des Gewürgten erstickten. Modei wollte den beiden folgen, wollte wehren – und hörte hinter der Hütte einen jagenden Schritt. Eine Sekunde stand sie ratlos. Dann flog es wie ein Blitz der Erinnerung und des Entschlusses über ihr blutleeres Gesicht. Rasch zog sie die Hüttentür ins Schloß, riß Blasis Gewehr aus dem Versteck, klappte den Lauf auf, wie es ihr der Jäger einmal gezeigt hatte, zerrte die Patrone heraus, schleuderte sie hinunter in die Büsche und stieß das Gewehr wieder hinter die Scheiterwand.

Friedl erschien an der Hüttenecke. Beim Anblick des Mädels erzwang er seine Ruhe. „Modei?“

„Was?“ Wie versteinert war sie.

„Is da grad einer vorbei?“

„Kann sein – ich weiß net –“ Da sah sie das Blut an seiner Wange, und vor Schreck versagte ihr fast die Stimme. „Friedl! Jesus! Was hast denn?“

Er versuchte zu lachen. „Was soll ich denn haben?“

Sie jagte über die Stufen hinunter, mit erloschenem Laut. „Du blutest!“

„Ich? Bluten?“

Wortlos streckte sie die Arme.

Friedl griff nach seiner Wange, sah die Hand an und lachte. „Is schon wahr – so a bißl!“ Er ging zum Wassertrog und wusch das Blut von seinem Gesicht und lachte wieder. „Wird mich halt an Astl gstreift haben. Net amal gspürt hab ich’s. Und fort muß ich wieder. Gleich. Der Förstner, weißt –“ Während er hinübersprang zum Talsteig, schwatzte er über die Schulter: „Wann ich net da bin bis um fünfe, muß der Lenzl unser Büberl abitragen – auf der Alm dürf ’s Kindl über Nacht net bleiben, es kunnt sich verkühlen. Pfüe Gott derweil!“