„Mit Bier kann ich net aufwarten. Aber a Schüssel Milli wann S’ mögen?“

„Milli?“ Der Grenzer schnitt in groteskem Schreck eine Grimasse, die jedem Zirkusclown einen Beifallssturm eingetragen hätte. „Marrriandjosef! Sprich dös gfahrliche Wörtl nimmer aus! Sonst trifft mich a Verstandeslähmung, und um fall ich und bin a Leichnam, a Leichnam, a Leichnam!“ Er richtete einen klagenden Blick zum Himmel, erledigte unter drolligen Scherzen das amtliche Geschäft, notierte die Zahl der Ochsen, Kühe, Rinder und Schafe, aus denen Modeis Almherde bestand, verwahrte das Notizbuch wieder, trocknete mit dem Taschentuch das Dampfnudelköpfl und setzte sich auf den Brunnentrog. „Soviel plagen muß sich der Mensch! Malefiz Arbet! Wie schön wär d’ Welt, wann d’ Arbet net wär, dö gottverfluchte Arbet.“

„Nach jeder Arbet kommt a Ruh.“

„Net wahr is, aaaah, net wahr is! Nach der Arbet kommen d’ Schweißtröpfln, a höllischer Durst und der Muschkelkrampf.“

„Seids ös von der Station in Fall drunt? Lang müßts noch net da sein, weil ich enk noch nie net gsehen hab.“

„A paar Wochen erst, a paar Wochen. Ehnder, da bin ich z’ Münka gwesen, z’ Münka, in der Haupt- und Rrrrassidenzstadt, beim Oberzollamt.“ Niedergstöttner bekreuzigte sich, wie es eine alte Bäuerin bei heftigem Blitzschlag macht. „Daaaa hat’s Arbet geben! So viel, wie der Hund Flöh hat! Und d’ Arbet vertrag ich net, ich vertrag’s halt net! Wann’s einer vertragt, da kann er Minister werden. Ich hab’s net dersitzen können. ’s Hirn is mir allweil kleiner worden und ’s Fundament allweil breiter, allweil breiter. Und so a sitzende Betätigungsweise – jöi, jöi, jöi – da tut sich allweil Salz entwickeln im Inkreisch, zwischen Nabel und Schattseiten. Und da hast nacher allweil Durst, allweil Durst, Durst, Durst, Durst. Drum haben mich die Gottsöbersten da aussi versetzt nach Fall. Dö haben gmeint, da heraußen tät ich weniger bimseln, weil ’s Bier so schlecht is, weißt. Ja, Schnecken, Schnecken! Da heraußen muß ich noch viel mehrer dürsten, weil ich allweil schwitzen muß, allweil schwitzen, allweil schwitzen.“

Modei konnte ein bißchen lachen. „Aber sonst gfallt’s enk bei uns da, gelt?“

„Ui jeeeegerl, jegerl, jegerl! Schau mein Ranzerl an, mein Ranzerl! Und söllene Berg dazu! Und allweil muß ich auffi, allweil auffi, auffi, auffi, wie a verlassene Wanzen an der nacketen Kirchenwand! O du heiliger, heiliger Geist der Schöpfung! Deine Welteinrichtung hat verdächtige Buckeln.“

Das Mädel tat einen schweren Atemzug. „Ich kann mir noch ebbes Härters denken als wie ’s Bergsteigen.“

„Soooo? Und wann ich ausrutsch? Und wann’s mich abireißt? Dös is ja gar net zum ausdenken, was ich da für a Loch ins Tal einischlag. Söllene grauslichen Gfahren haben s’, dö verfluchten Berg, dö verfluchten Berg! Da muß einer schon aufpassen, der ’s Bergsteigen los hat! A Jager, a Jager, der kann doch ’s Bergsteigen, net? Und jetzt schau amal an, was dem Jager von Fall passiert is, dem Jager von Fall!“