„Jesses, jesses, so a liebs Mannsbild!“ staunte die Alte. „Zu dem kunnt man Zutrauen haben.“ Wieder buckelte sie. „Grüß Gott, Herr Grenzer!“ Sie zappelte ihm entgegen, stützte den Schnaufenden und schob ihn nach aufwärts. „Gschwinder a bißl! Aufkochen tu ich, aaaah, grad nobel! Und in der Kellergruben hab ich noch a drei, vier Flascherln Bier.“
„Was!“ Der Erschöpfte machte eine Zuckbewegung, wie durchrissen von einem elektrischen Strom. „A Bier hast? A Bier? A Bier?“
„Fünf, sechs Flascherln, jaaaa!“
So einladend kann auch Evas Apfel auf den Adam nicht gewirkt haben. In Niedergstöttner flammte eine zärtliche Begeisterung. „O du Herzkäferl, du benedeits! An Kniefall mach ich! Dir verschreib ich mei’ Seel! A Bier, a Bier! O Himmelreich, o Paradeis, Paradeis, Paradeis, o irdische Glückseligkeit!“
Die drei zollämtlichen Zentner tauchten am Arm der überirdisch grinsenden Jungfrau in den Dusterschein der Sennstube.
Bei Modeis Hütte gellte ein Schrei
Bei Modeis Hütte gellte wieder und immer wieder ein Schrei in die Sonne: „Lenzl! Lenzl!“
Nur das Echo an den nahen Felsen, nie eine Antwort.
Verzweifelt, wie in sinnloser Verstörtheit, rannte und suchte das Mädel. „Is auf der Weid net! Is net im Stall! Is bei die Schaf net! Wo is er denn? Lenzl, Lenzl!“ Zitternd an allen Gliedern kam sie zur Hüttentür, taumelte gegen die Balken und preßte den Arm über die Augen. „Ich bin schuld! An allem bin ich schuld! Und wann er jetzt leiden muß –“
Denken konnte sie nimmer. Ohne zu wissen, was sie tat, dem Trieb des quälenden Augenblicks gehorchend, sprang sie in die Stube, riß das Arbeitsgewand herunter und kleidete sich, als wär’s für den Kirchgang. Ihr Hütl über die Zöpfe hebend, trat sie aus der Hüttentür, hetzte die Stufen hinunter und hatte einen Schreck, der sie völlig lähmte.