Wie ein Besessener hetzte Lenzl auf den Burschen zu. „Du Herrgottsakermenter! Rühr mir d’ Schwester noch amal an mit deine drecketen Pratzen – und ich renn dir den Bergstecken durch und durch.“
Atemlos, das Haar ordnend, sagte Modei: „Da brauchst dich net plagen! In d’ Hütten hätt er mich net einibracht. Da hätt er schon ehnder mein’ Haarpfeil im Hals drin ghabt.“
Erheitert war Blasi ein paar Schritte zurückgetreten. „Ui jegerl! Da kunnt’s ja gar gfahrlich werden, da heroben. Und da schau an! Der Lenzl als Hulaner mit’m Spieß! Oder bist ebba gar der dümmste von die sieben Schwaben?“ Er lüftete auf nette Art das Hütl. „No also, pfüe Gott für heut! An andersmal wieder.“ Und gemütlich sagte er zu dem Alten: „Wie, du, hol mir mein Büchsl aussi, dös ich beim letzten Bsuch vergessen hab!“
„So?“ knirschte Lenzl in bebender Wut. „Und sonst willst nix? Da kannst abschieben! Dö Büchs, dö kriegt bloß a Jagdghilf oder der Förster.“
Blasi schoß einen funkelnden Blick auf den Alten. Dann verzog er den Mund zu einem spöttischen Lächeln. „Is a teuflisch guts Gwehrl! Da kann der Jager sei’ Freud dran haben. Muß ich halt nachschauen, ob mei’ alte Büchs da drüben im Lahnwald unter die Steiner net rostig worden is seit’m Hahnfalz. Ohne Gamsbock geh ich heut net heim.“ Schmunzelnd sah er die Sennerin an. „Wann einer fallt, so bring ich dir d’ Nieren. Dö kannst dir bachen im Schmalz.“ Leis lachend sprang er in die Stauden.
„So ein’ mußt anschaun!“ Lenzl fieberte vor Zorn. „Und da sagt man, unser Herrgott hat d’ Leut derschaffen! So a Gottslästerung! Unser Herrgott muß sich schön geärgert haben, wie der erste Haderlump aussigwachsen is aus der Mistgruben.“ Ruhiger werdend, stellte er den Bergstock fort und legte den Arm um die Schwester. „Geh, komm! Tu dich a bißl niederlassen! Zitterst ja an Händ und Füß.“
Sie ließ sich zu den Stufen führen. „Wegen dem da, meinst? Ah na! Heut plagt mich ebbes anders –“ Da sah sie die müde Erschöpfung im erhitzten Gesicht des Bruders. „Was hast denn? Wo bist denn gwesen den ganzen Tag?“
Er kicherte. „So umanandsteigen hab ich halt müssen – bei der Hüterei.“
„Gott sei Dank, daß daheim bist!“ Sie erhob sich. „Heut auf’n Abend mußt mei’ Arbet machen. Ich hab an Weg.“
Lenzl stutzte. „Was? An Weg hast? Wohin denn?“