„Aber ich noch a bißl ebbes mit dir!“ Er drängte sie Schritt um Schritt gegen die Hüttenstufen hin. Und immer behielt er den heiteren Ton. „Vergelts Gott, Schatzl! Soviel haushälterisch bist! Grad wie mein Vater! Der schnürt mir den Geldbeutel zu, und du hilfst mir Patronen sparen. Aber allweil kunnt’s dir net nausgehn mit der Knauserei. Und willst den Jager von Fall schön sicher durchfretten bis zur Hochzeit, so laß ihm an eiserns Gwandl machen, gelt! Ich bin net allweil so kugelarm. Und meiner Kugel springt er so gschwind net aus’m Weg als wie so eim Brocken Stein.“
„Jesus!“ Modeis Gesicht verzerrte sich. „Den Stein hast du – –“ Sie schlug die Hände vor die Augen. „Und so an Menschen gibt’s auf der Welt!“
„D’ Jager sind wie Schwaben und Russen. So an Ungeziefer dertrappt man, wo man’s derwischen kann. Schad, daß man diemal daneben trappt.“
Sie sah ihn an, mit irrendem Blick. „Blasi! Dein Kind hat er tragen.“
„Mein Kind?“ Er zuckte die Achseln. „Protokolliert hab ich’s noch allweil net, daß ich der Vater bin.“
Aus verstörten Augen rannen ihr langsame Tränen über die blassen Wangen. Sie wandte sich ab, gegen die Hütte hin, und drehte das entfärbte Gesicht über die Schulter. „Gstorben bist mir gwesen. Und begraben. Mir! Schon lang. Von heut an is meim Kind der Vater verfault. Und wann’s mich fragt amal, nacher weiß ich nimmer, wie er gheißen hat.“ Modei machte einen müden Schritt. „Schlecht wird mir, wann ich dich anschau. Geh, sag ich dir!“
Ein wunderliches Staunen in den Augen, spottete Blasi nach kurzem Schweigen: „Ah na! Jetzt bleib ich erst recht. So gut wie heut hast mir noch nie net gfallen. D’ Weibsbilder sind allweil am feinsten, wann ihnen ’s Blut a bißl aufwurlt. Ja, jetzt hab ich wieder an Gusto auf dich.“ Er faßte mit eisernem Griff ihren Arm. „Und hätt’s auch kein’ andern Verstand, als daß ich dem Jager die süße Schüssel versalz.“ Lachend riß er das Mädel an sich.
Ekel und Entsetzen lähmten ihre Zunge. Mit verzweifeltem Widerstand suchte sie sich loszureißen. Ihre Kraft erlahmte unter dem Druck dieser stählernen Arme. Kaum daß sie noch ihr Gesicht vor Blasis Lippen zu schützen vermochte. Sie wollte schreien. Seine Hand erstickte ihren ersten Laut. Und lachend zerrte er sie gegen die Stufen hin, während sie den Haarpfeil aus den Zöpfen riß, die ihr über die Schultern fielen.
Da keuchte Lenzl über den Steig herauf, ohne Hut, mit dem klirrenden Bergstock, das kleine Hirtenfernrohr am Gürtel. „Was is denn da?“
Den Kopf drehend, ließ Blasi das Mädel fahren.