Lenzl kicherte: „Wie halt a jeder einer is, der umanandwuzelt auf zwei Menschenfüß!“
Noch ehe Friedl die Hüttenstufen erreichen konnte, sprang Modei erschrocken auf ihn zu. „Um Gotts willen! Wie kannst denn so umanandhupfen! Mit deim kranken Fuß!“
„Geh, dös muß dir ja schauderhaft weh tun!“
„Was? Weh tun? Is ja net wahr!“ Er fand das Lachen seines Glückes. „Wohl tut’s mir, wohl tut’s mir.“ Jauchzend machte er mit seinem Filzkübel einen Sprung wie der schneidigste Schuhplattltänzer. „Mir is, als müßt ich versaufen in lauter Freud! Und alles draht sich, und die ganze sonnscheinige Welt is wie an ewige Seligkeit! Madl, jetzt hab ich dich! Madl, jetzt laß ich dich nimmer aus!“ Mit beiden Armen griff er zu und riß die Stammelnde an seine Brust mit so heißer Kraft, daß sie stöhnen mußte.
Dann sprachen die beiden kein Wort mehr. Als wäre das Glück, das auf ihre Herzen gesunken, zu gewichtig, um es aufrecht zu tragen, so fielen sie auf die Hüttenstufen nieder, stumm, eins an die Brust des anderen gewachsen.
„So!“ nickte Lenzl. „Dö zwei, dö brauchen mich nimmer.“ Er guckte zur Hüttentür. „Jetzt kunnt ich mir d’ Mahlzeit schmecken lassen! Ah na! Dös hat noch Zeit! Ebbes Schöns, dös muß eim allweil wichtiger sein als wie der Magen. Dös Glöckl muß her!“ Er meinte die Schelle, die eines von den beiden Kälbern im Wald bei der Dürrach drunten verloren hatte. „So viel fein is dös Glöckl im Almgläut allweil gwesen! Dös Glöckl muß her! Und wann i suchen müßt bis eini in d’ Nacht. Ich kunnt net schlafen, wann ich mir denken müßt: dös feine Glöckl is hin. Ah na! Dös Glöckl muß her! Und heut noch!“
Einen Jauchzer gegen die Sonne schreiend, sprang er hinunter zum Waldsaum.
Das sahen die beiden auf den Hüttenstufen nicht. Wohl hatte der klingende Schrei sie aufgeweckt aus ihrer stummen Versunkenheit. Doch sie lösten sich nur voneinander, um Aug in Auge und Hand in Hand zu bleiben. Keine Zärtlichkeit fiel ihnen ein. Sie dachten nicht daran, sich zu küssen, fühlten nur, daß sie einander gehörten, Herz an Herz, für Leben und Sterben. Das zu wissen, war ihnen von allem Guten das Beste. Und als sie ruhiger wurden und sich ausgesprochen hatten, blieben sie noch immer so sitzen, Wange an Wange, und träumten mit leuchtenden Augen hinaus in den schönen Tag.
Von seiner Schönheit sahen sie nicht viel. Die ganze grüne, steinerne Welt, die da in der Sonne um sie her war, versank ihnen als etwas Leuchtendes im ruhigen Traum ihres neugewonnenen Lebens und ihres gefesteten Glücks.