Und d’ Sonn, dö geht unter,
Und d’ Stern, dö gehn auf,
Da klopf ich ans Fensterl:
Liebs Herzl, mach auf!“
Zu was brauchst denn du dös viele Wasser?
„Zu was brauchst denn du dös viele Wasser? He! Punkl! Hörst heut schon wieder nix?“ rief auf der Grottenalm die Modei durch das kleine Hüttenfenster einer alten Sennerin zu, die am Brunnen stand und Wasser schöpfte. Mit der Schulter lehnte das junge Mädel am Fensterrahmen, während es sich mit der blauen, groben Leinenschürze die Hände trocknete. Es war eine schlanke, schmuck gewachsene Gestalt in ärmlicher, aber sauber gehaltener Kleidung; der dunkelbraune Rock reichte kaum handbreit über das Knie und ließ noch die grünen Wadenstrümpfe sehen; ein schwarzes Tuchleibchen umspannte die Brust; das Hemd von ungebleichter Leinwand reichte hoch an den Hals und ließ nur die Arme nackt. Das Gesicht hatte wenig Farbe; wie Schwermut lag es in den großen, dunklen Augen, und ein schmerzlicher Zug war um den Mund geschnitten; die Stirne war hoch, und darüber lagen, schwer und schwarz, drei durcheinandergewundene dicke Flechten.
„Punkl! Punkl!“ rief Modei wieder. „Hörst denn heut gar nix?“
„Ah, Modei, du bist’s!“ klang es von draußen mit einer heiseren Altstimme. „Machst schon bald Feierabend?“
„Ja! Geh, kehr a bißl zu, eh nach deiner Hütten auffisteigst!“
Ein tiefer, mehr drollig als schmerzhaft klingender Seufzer. „Heut hab ich wieder an schiechen Tag. Alls tut mir weh, der Kopf und der Buckl und d’ Füß und alls. Aber was ich sagen will –“ die Stimme kam näher, „weißt es schon? Der alte Veri, mit dem ich vor a zwanzg a dreißg Jahr schiergar a kleins Liebschaftl angfangt hätt, der is jetzt in der Monika ihrer Hütten droben als Hüter eingstanden. So viel hat er mir zugsetzt! Vor a zwanzg a dreißg Jahr. So viel zugsetzt. Aber net an einzigs Ruckerl hat mei’ Unschuld gmacht. Fest bin ich blieben. Fest wie an Eisenstangerl. Und jetzt kommt er als Hüter da auffi. Sag mir nur grad, was sagst jetzt du zu so einer Neuigkeit? Ja, ja, schau, so kommt man halt wieder zamm.“ Die Alte trat an das offene Fenster heran und reichte Modei die Hand.