Benno betrachtete den Kreister; diese Brettertruhe kam ihm vor wie ein an die Wand genagelter Sarg, den der Herr der Gräber seinem Zwillingsbruder, dem Schlaf, zur Benutzung überlassen hatte. Nein! Lieber ins Heu!
An den Kohlen, die auf dem Herde glühten, steckte er einen Holzspan in Brand und zündete sich eine Zigarre an. Dann trat er hinaus ins Freie.
„Soll ich dem Herrn noch ebbes kochen?“ wandte sich Modei an Friedl.
„Ah na! Für’n Abend hat er schon selber ebbes im Rucksack. Aber morgen in der Fruh kunnt ihm ebbes Warms net schaden.“
Friedl hatte noch nicht ausgesprochen, da schrie im Freien draußen eine zerbrochene Stimme: „Modei, Modei, ich hab ihn gfunden!“ Hastig schlorpende Tritte näherten sich der Hütte, und in der Tür erschien ein weißhaariger Mensch: Lenzl, der Bruder Modeis. Ein zerrissener Strohhut, dicht besteckt mit Alpenblumen, bedeckte den Kopf und überschattete das von einem struppigen Weißbart umrahmte Gesicht. Eine verwetzte Lederhose umhüllte die mageren Beine bis zu den Knöcheln, um Brust und Arme hing in Falten ein grobes Hemd, und darüber trug der Alte eine kurze Jacke, die weder Knöpfe noch Ärmel hatte. Keuchend lallte er auf der Schwelle: „Ich hab ihn gfunden!“ Dann preßte er die Fäuste auf die arbeitende Brust.
„Is wahr?“ rief Modei in Freude.
„Ja! Ja!“
„Wen hast gfunden?“ fragte der Jäger.
Lenzl blickte auf. „Jeh, du bist da!“ Er legte die Hände auf Friedls Schultern. „Ich freu mich jedsmal, sooft als kommst. Bist a guter Mensch, und ich hab dich gern.“
Friedl zog den Alten an sich. „Und mir geht’s grad so mit dir! Hab allweil mei’ Freud, wann ich a Stündl plauschen kann mit dir.“