Er bettelte: „Geh, Modei, gib ihr’s!“

„Na, Friedl! Dös geht net.“

„Schau, gar so kurz sollst mich net anlassen! Daß ich dir’s gut mein’, dös weißt doch net erst seit gestern. Denk zruck an die alten Zeiten: wie ich zu dir als a kleiner Bub schon allweil –“

„Sei stad!“ fuhr Modei auf. „Es kommt wer!“ Bleich werdend, lauschte sie auf den Schritt, der sich der Hüttentür näherte.

„Dös is bloß der Herr Dokter, weißt, der junge Herr, der ’s letztmal dagwesen is mit mir. Ich hab ihm gsagt, er soll sich vom Almspitz d’ Aussicht anschaun. Hab denkt, er verhalt sich länger. Schad drum, daß er schon kommt!“

„Oder besser – wer weiß!“ flüsterte Modei.

Benno trat ein. Mit herzlichem Gruß drückte er Modeis Hand und floß über vom Lob der schönen Fernsicht, die er genossen hatte. Als er sich setzen wollte, mahnte Friedl zum Aufbruch, weil die Dunkelheit käme, ehe sie die Jagdhütte erreichen könnten. Benno hatte keine Lust zum Weiterwandern; es gefiel ihm in der Hütte. Er stellte Gewehr und Bergstock in die Ecke, warf den Rucksack ab, zog die Joppe aus und machte sich’s am Herd bequem.

„Wissen S’ was, Herr Dokter“, sagte Friedl, „bleiben S’ da über Nacht! Morgen in der Fruh hol ich Ihnen nacher ab. Wir haben von da aus a leichters Steigen zum Gamsberg auffi, und der Weg zur Jagdhütten und zruck is Ihnen verspart.“

Benno war einverstanden. „Modei? Willst du mich behalten?“

„Ja, schon, warum net? Zum Heustadl müssen S’ halt auffisteigen! Da haben S’ a ganz a guts Liegen droben. Herin in der Hütten können S’ net bleiben. Im Kreister is grad Platz für mich und mein’ Brudern.“ Sie deutete nach einer Brettertruhe, die in Mannshöhe vom Boden die ganze Breite der hinteren Stubenwand einnahm und quer durch die Mitte von einem bis an die Decke reichenden Verschlage abgeteilt war; die eine Hälfte, mit getrocknetem Berggras angefüllt, diente als Schlafstätte für Modeis Bruder; in der für die Sennerin bestimmten Hälfte war über das aufgeschüttete Heu ein grobes Leintuch gebreitet, und darüber lag noch ein bauschiges, blau überzogenes Kissen und eine wollene Decke. Unter dem Kreister, den drei plumpe, in den Lehmboden eingerammte Pfähle stützten, lag dürres Scheitholz aufgebeugt; die vorstehenden Scheite wurden beim Aufsteigen zum Bett als Trittsprossen benützt.